[Review] Prinz Pi – Kompass ohne Norden

Prinz Pi - Kompass ohne Norden - Cover
Titel : Kompass ohne Norden
Interpret : Prinz Pi
Label : Keine Liebe Records
Genre : HipHop / Rap
Bewertung: : ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ | 10/10

„Kompass ohne Norden“

Kompass ohne Norden. Als ich den Titel das erste mal gehört habe, war ich etwas verwirrt. Zwar hatte der Titel etwas griffiges, aber war gleichzeitig auch gedanklich nicht wirklich greifbar bzw. war es schwer sich einen Reim auf diesen zu machen. Ein Freund drückte es gut aus: Ein Kompass ohne Norden hat doch noch Osten, Süden, Westen. Erst in der heißen Phase der Promotion und den damit verbundenen Interviews für 16Bars, HipHop.de, BackspinTV oder MixeryRAW, kam so langsam Klarheit auf. Prinz Pi sieht sein nunmehr 15.(!) Studio(solo)album als den Abschlussbericht über sein erstes Lebensdrittel und den damit verbundenen Problemen wie Ziellosigkeit, Verzweiflung und dem Erfolgsdruck, die er stellvertretend für eine ganze Generation aufschreibt.

Das Album

15. Studio(solo)album also. Nur zwei Jahre nach dem Konzeptalbum Hallo Musik und Rebell ohne Grund schon wieder ein Album von Pi. Mit drei vorab veröffentlichten Singles (Unser Platz/100X/Glück) wurden wir ja schon ziemlich stark geteasert. Als ich Unser Platz zum ersten Mal gehört habe, musste ich während der Anfangsakorde sofort an Laura vom Album Rebell ohne Grund denken. Aber dann kam der Refrain und ich war irgendwo enttäuscht. Das war nicht Pi, das war irgendwas anderes. Dann kam 100x und da waren wieder nur Hipster im Video. Das war doch nicht Pi. Unsicherheit machte sich breit. Glück konnte das Gefühl etwas mäßigen, aber erst Kompass ohne Norden, der Titelsong des Albums, hat mich wieder vollkommen überzeugt. Jetzt hab ich das Album ca. sieben Mal komplett durchgehört und muss sagen: Die Lieder alleine waren seltsam, aber in der Komposition mit dem gesamten Album sind sie eine logische Weiterentwicklung von Pi und zeigen das er nicht länger nur Musiker sondern schon Künstler ist.

Prinz Pi - Kompass ohne Norden - Booklet
Prinz Pi – Kompass ohne Norden – Booklet

Die Lieder

Das Überthema des Albums ist ja die von Pi angesprochene Ziellosigkeit von jungen Erwachsenen in der Mitte oder am Ende ihre Zwanziger. Das kann man ohne Frage so stehen lassen. Die Teaser machten das ja schon ziemlich deutlich. Viel interessanter und für mich viel ausschlaggebender um die Qualität dieses Albums zu beschreiben ist die Tatsache das wir mit Kompass ohne Norden eine perfekte Sozialkritik der aktuellen Gesellschaft in den Händen halten. Sei es Mobbing während der Schule (Frühstücksclub der toten Dichter), Lebenswelten (Säulen der Gesellschaft), Hipstertum (Moderne Zeiten) oder Globalisierung (Rost). Aber bevor ich hier jetzt groß beschreibend los schreibe, lasse ich einfach Pi für sich selbst sprechen.

Die als erstes einen Busen kriegt – wird gehasst
Der Typ der immer alles weiß – wird gehasst
und die, die dort wirklich blass
die Hände um die Wasserflasche legt auf dem Tisch
hasst sich selbst so sehr, dass sie kaum etwas isst //

Der Sprecher bei der Tagesschau sitzt hier schon im siebten Jahr
Er liest das, was er lesen soll und hält seine Miene starr
Ob Attentate, Terroristen, Wahlenkrisen oder Messen
Donnerstag, in der Kantine, kochen sie sein Lieblingsessen
Da können Hungersnöte auf dem halben Erdball wüten
Seuchen im Sudan grassieren, er bestellt sich mehr Gemüse
Zu den Königsberger Klopsen, Abends wenn er schlafen geht
Flüstert er zum letzen Mal: „Sie sehen die ARD. //

Wir wünschen uns sehr, dass wir im Gestern wären
Leben nach der Formel „je retro, desto neu“
Alles ist ironisch, vintage und second hand
Ist das ein Obdachloser oder doch der letzte Trend
Das war ein Redakteur der VICE voll auf Klonopin
Gutem Meth, schlechtem Speed
Er tut, als wär es Krokodil
[…]
Koks ist so in wie nie, genau wie freier Sex
Polygam, ohne Plan, Berlin hat kein Einzelbett //

Was aussieht wie ein Kriegsschauplatz
War nur ein Fabrikhaus, das
Seine Eingeweide
Nun transplantiert nach China hat
[…]
Die Gewerkschaft die doch für euch kämpfte war der Untergang
Wenn die Flüge billig werden, freut euch das doch auch
Der große rote Drache hustet für euch Flatscreens aus seinem Bauch //

Ihr seht. Pi ist einfach eine Klasse für sich. Die Fähigkeit die einzelnen (unterschiedlichsten) Situationen so perfekt zu analysieren und dann in Lieder zu verpacken ist in der Rapszene in Deutschland für mich einmalig. In wiefern die Wiederholung von bestimmten (gezeichneten) Bildern Absicht ist, maß ich mir nicht an zu interpretieren. Aber es fällt auf, das immer wieder alte Bands, Menschen die vor Züge springen und das Rauchen erwähnt werden. Hört es euch aber am besten einfach selbst an und schreibt uns was ihr dazu denkt.

Der Sound

Prinz Pi begibt sich mit Kompass ohne Norden auf die Pfade der logischen Weiterentwicklung von Rebell ohne Grund. Auch Sound technisch. Waren auf Rebell ohne Grund nur eine wenige Lieder mit diesem Klangbild (Laura), so ist Kompass ohne Norden getränkt von hellen Tönen und getragenen Melodien. Prinz Pi beschreibt es selbst als Mischung aus den Beatles und dem Wu-Tang Clan. Die vielerorts gewünschte Rückkehr zum Prinz Porno wird, so hat er es zumindest in einem Interview erzählt, wohl erstmal nicht geschehen. Damals schrieb er einfach aus dem Bauch heraus, heute schreibt er mit dem Gedanken daran, das seine Texte von mehr als 50 Menschen gehört werden. Eventuell jedoch findet sich ja eine alte Festplatte und dann findet der Inhalt den Weg zu Youtube. Aber das sind nur Gerüchte. Von Pi gestreut. Muss man sehen. Wäre aber fett.

Fazit

„Ich blick auf eine (Musik)Szene die ausgezählt ist!“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Pi 2011 von der deutschen Rapszene. Vermutlich war es eher die Überleitung zum Konzeptalbum Hallo Musik, aber ich finde der Satz passt auch auf das aktuelle Album. Die Analysefähigkeiten der Gesellschaft, der einzelenen Subkulturen (Szenen) durch Friedrich Kautz, ist so unfassbar akurat und mit Anspielungen auf die Inhalte und Trendsetter dieser gespickt, dass man einfach seinen Hut ziehen muss. Die Musikszene wurde nun endgültig vom Prinzen ausgezählt und hat hier, nach dem extrem guten Rebell ohne Grund, mit Kompass ohne Norden vermutlich das Deutsch-Rap Album unserer Generation vorgelegt bekommen. Pi hat verdient die #1 der Albumcharts erklommen.

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[Review] Herrenmagazin – Das Ergebnis wäre Stille

Cover Das Ergebnis wäre Stille
Titel : Das Ergebnis wäre Stille
Band : Herrenmagazin
Label : Delikates Tonträger
Genre : Deutscher Indie
Bewertung: : ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ | 10/10

15 gefühlte Jahrzehnte ist es her als das letzte Herrenmagazin Album „Das wird alles einmal dir gehören“ veröffentlicht wurde. Seitdem war ich auf drei Konzerten und hab alle Sachen die irgendwie um die Jungs entstanden angehört. Dementsprechend war ich auch aus dem Häuschen, als das nun mehr dritte Album „Das Ergebnis wäre Stille“ endlich released wurde. Dementsprechend hoch waren aber auch meine Erwartungen. Herrenmagazin gilt für mich mittlerweile eigentlich als der neue Indie-Standard in Deutschland. Melodien, Texte, Stimme, all das passte auf den ersten beiden Alben einfach immer – in jedem Lied. Konnte das Album meine Erwartungen erfüllen oder waren sie im Endeffekt einfach viel zu hoch gegriffen? Lest selbst.

Das Album

So einfach ist es nicht zu beschreiben. In der Woche vor dem Release konnte man das Album ja als Sound-Cloud-Stream komplett hören. Irgendwie hab ich mich da verdammt schwer getan. Es war gut durchzuhören, aber mehr auch nicht. Ich hab keine besonderen Melodien oder Textstellen finden können. Ich war ehrlich gesagt – mild enttäuscht. Lag aber eventuell auch daran, dass immer Leute um mich herum waren und ich nicht die Ruhe hatte. Mit dem Release hab ich es dann noch mal in Ruhe und intensiv durchgehört. Nach dem zweiten Durchlauf war ich hin und weg. Die Texte. Die Melodien. Die Weiterentwicklung. Es gibt wenige Bands bei denen das dritte Album noch so! zu überzeugen weiß. Ein Album, auf dem es kein Lied gibt, welches man skippen möchte und man einfach in den Texten versinken kann, ohne sie immer wirklich zu verstehen. Aber gut, das ist bei den werten Herren ja eigntlich immer so. Das Album ist eine Perle deutscher Musikkunst, die eigentlich in keinem Plattenregal fehlen sollte.

Die Lieder

Die Fähigkeit der Band Situationen, Gefühle und kleinste Empfindungen in Textstellen zu fabrizieren die in meinem Kopf sofort Bilder auslösen oder zeichnen und es einfach schaffen mich immer wieder perfekt zu verstehen, das zeichnet dieses (und auch die anderen beiden Alben) besonders aus. Das sind Textstellen wie

Und wir zeigen auf Orte, an denen wir einste war’n
und tun dies nur, um den Weg dort hin zu spar’n
Dein Wort

Ich habe keinen freien Willen, aber trotzdem kann ich leugnen
das mir irgendeiner meiner Schritte jetzt noch irgendwas bedeutet

Song: Lang nicht mehr da

Theoretisch könnte ich hier alle Lyrics des Albums hinkleistern, aber diese Textstellen sollen reichen als Beispiel großartiger deutscher Liedkunst. Wie kann man soviel in sowenig Text ausdrücken?

Der Sound

Für mich als musikalischen Laien ist es schwer meine Gedanken dazu in Worte zu fassen, aber irgendwie empfinde ich das Album im Gegensatz zu den ersten beiden als runder. Die ersten beiden Alben waren da noch schrubbliger. Das Erste auch mehr als das Zweite. Die Entwicklung die die Band mit jedem Album gemacht hat, zeigt, wie sehr sie immer weiter zusammen gewachsen sind und man hat das Gefühl Herrenmagazin kommen immer mehr da an, wo sie soundtechnisch hinwollen, ohne ihre Anfänge zu vergessen. Jörg hat das sehr gut ausgedrückt:

..bei dieser Entwicklung ist sich die Band aber dennoch treu geblieben und klingt noch immer so als ob man sich das ein oder andere Lied auch auf einem der ersten Alben vorstellen könnte.
Herrenmagazin wird das Rad musikalisch nicht neu erfinden und beweist dabei auch immer wieder wie wenig das eigentlich nötig ist, da Musik mit Schlagzeug, Bass und zwei Gitarren einem mit jedem Lied dieser Band wie ein schon sehr vollkommenes Rad vorkommt und auf diesem Weg wohl noch viel Strecke und hoffentlich noch viele Alben zu gehen sind…

Ich als musikalischer Laie lasse das einfach mal so stehen!

Das Fazit

Würde man Musik heiraten können, ich würde eine polygame Beziehung mit den drei Alben eingehen.

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[Review] The Boys Are Back

The Bays Are Back Poster
Originaltitel : The Boys Are Back
Entwicklung : Scott Hicks
Herstellungsland : Australien // 2009
Darsteller : Clive Owen, Laura Fraser, George MacKay, Nicholas McAnulty
Wertung: : ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ | 10/10

Was passiert wenn man die Liebe seines Lebens verliert? Wenn man schon einmal alles aufgegeben hat? Wenn man auf einmal Verantwortung übernehmen muss? Scott Hicks hat probiert diesen Fragen nachzugehen. Sie zu porträtieren und für uns verständlich auszuarbeiten ohne dabei zu viel Vormundschaft zu übernehmen. Herausgekommen ist der Film, welcher in Australien unter anderem für die BBC produziert wurde, „The Boys Are Back“. Den Trailer hatten wir euch hier schon mal vor Ewigkeiten vorgestellt. Vor kurzem nun habe ich den Film bei einer Onlinevideothek endlich gucken können.

Aber worum geht es genau? Clive Owen ist Sportreporter. Einer der besten in Australien. Wimbledon? Australien Open? Formel 1? Olympia? Alles wird von ihm gecovert und in die Zeitung bzw. Online gebracht. In Großbritannien aufgewachsen, ist er nach gescheiterter erster Ehe mit einer australischen Olympionikin ausgewandert. Durch tragische Umstände kommt es, dass er auf zum allein-erziehenden Vater wird und auf einmal muss er Kind und Beruf unter einen Hut bekommen. Was so schon nicht einfach ist, wird durch den Umstand, dass sein Sohn aus erster Ehe zu Besuch kommt nicht wirklich vereinfacht.

Der Film überzeugt durch eine angenehme Unbeschwertheit in seiner Aufmachung trotz des schweren, tragischen Themas. Die Kamera, die Storyentwicklung, die Charakterentwicklung ist nie sprunghaft oder hektisch und dennoch ist der Film nie langweilig. Wo viele Filme die Moralkeule schwingen und uns zeigen wollen, wie man auf einmal von jetzt auf gleich Mustervater/mutter wird,zeigt dieser Film die Probleme des Singleeltern Haushalts auf eine liebevolle und doch nachvollziehbar echte At und Weise. Die drei Jungs erleben viele Höhen und Tiefen und finden auf sehr glaubwürdige Weise eine gemeinsame Basis. Was besonders positiv hervorzuheben ist, ist die „Love Story“. Mehr als das es eine der besten Umsetzungen für einen Film dieser Thematik ist die es jemals gegeben hat, mehr kann man dazu nicht sagen.

Clive Owen in einer seiner besten Rollen. Unbedingt gucken!

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Disney’s „Paperman“ veröffentlicht

Zum Wochenende gibt es mal wieder eine Kurzgeschichte. Aber nicht in Worten und nicht von uns. Sondern von Disney. Gestern wurde nämlich Disney’s „Paperman“ veröffentlicht. Eine für den Oscar prämierte Kurzgeschichte. Ohne zuviel von der Handlung zu erzählen – es geht um einen Typen und Papier. WOW. Wer hätte das gedacht. Also falls ihr, wo auch immer ihr gerade hart abchillt (wer arbeitet um die Uhrzeit noch), gerade mal sechs Minuten Zeit habt, schaut euch den Kurzfilm an. Eine Lovestory ohne Schmalz. Von Disney! WOW.

Also lehnt euch zurück, genießt sechs Minuten heile Welt und freut euch auf die besten Menschen der Welt.

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[Preview] „Museum“ veröffentlichen „Traces of“

Heute ist ein schöner Tag. Nicht nur haben wir Wochenende und Sonne, nein auch eines der seit Jahren für mich am heißesten erwarteten Alben ist endlich erschienen. Museum haben Traces of released. Ihr könnt es ab sofort bei Amazon normal oder als MP3 Version und natürlich auch bei ITunes kaufen. Schlagt einfach zu, auch wenn der physikalische Release noch etwas dauert. TUT ES ! JETZT! Ich habe es zwar selbst noch nicht komplett durch gehört, bin aber doch schon ziemlich angetan und feier es. Also kaufen. Achja, wenn ihr euch jetzt fragt wer Museum überhaupt sind, haben wir hier noch ein Interview mit der Band für euch. Eine ausführliche Kritik zum Album kommt die Tage, dazu muss ich es erstmal ein paar mal hören.

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