[Review] Ducking Punches – Fizzy Brain

Titel : Fizzy Brain
Künstler : Ducking Punches
Label : No Panic! Records
Genre : Folk/Punk
Bewertung : ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ☆ | 09/10

Ducking Punches sind eine fünfköpfige Folk-Punk-Band aus Norwich im Osten des UK. In Deutschland sind sie bisher eher ein Geheimtipp, den es sich in jedem Fall lohnt auszuchecken. Mir sind sie erstmals über den Weg gelaufen, als Frontman Dan im Frühjahr 2014 den Opener für Frank Turner gab. Für mich musikalisch love at first sight. Das war kurz vor Erscheinen ihres zweiten Albums “Dance before you sleep”. Nun also der Nachfolger “Fizzy Brain” der in nichts nachsteht. Zieht es euch rein!

Das Album

Das Album wurde über Pledge Music finanziert, eine Crowd Funding Plattform, auf der man die Alben der Künstler vorbestellen kann, bevor sie entstanden sind, um die Finanzierung sicherzustellen. Doch nicht nur die Platte kann vorbestellt werden. Im Fall von Ducking Punches gab es einen Haufen exklusiven Merchs zu sichern, unter anderem Instrumente, die bei den Aufnahmen genutzt wurden. Doch nicht nur das. Mit dem überschüssigen gesammelten Geld unterstützt die Band die sozialen Organisationen CALM und PAPYRUS, die Präventionsarbeit für Selbstmorde bei jungen Menschen und Untersützung für psychisch Kranke leisten. Dies liegt der Band besonders am Herzen, da Sänger Dan selbst betroffen ist und schon zwei Freunde an Depression und Selbstmord verloren hat. In der vor kurzem beendeten Kampagne konnten sie über 500 Pfund zusammentragen. Jetzt aber zur Musik!

Die Songs

Fizzy Brain hat 11 Songs mit einer enormen Spannbreite zu bieten. Von der herzzerreißenden Ballade bis zum punkigen Rocksong. Das Themenspektrukum bewegt sich im Bereich Trauer, Verzweiflung, Depression und Tod, aber stets mit einem Funken Hoffnung und Blick nach vorn. Der erste Track “Greedy Bones” beginnt langsam, nur mit Akustikgitarre und steigert sich zum Full-Band-Track. Besondere Schmankerl sind die Gast-Vocals vom wunderbaren Frank Turner und ein Part von Bassistin Sophie, welche uns später auf dem Album im Track “Taking back the living room” erneut davon überzeugt, wie wunderbar ihre Fähigkeiten zu Hauptvocals sind. Es folgt der Titeltrack, der davon handelt sich irgendwie über Wasser zu halten. Hier zeigt Dan erneut die volle Bandbreite seiner Stimme vom klaren Beginn bis zum rauen Höhepunkt, der wie alle Songs des Albums von Emotion nur so strotzt. Dies zeigt sich auch im anschließenden “Drinking outside funerals”. Der Titel spricht für sich und stellt für mich den besten Song des Albums dar.

“…as I get older and older, death becomes less of a fear,

it’s become too familiar…”

Der Eineinhalbminüter “It’s not over yet friends” stellt eine Durchhalteparole dar, bevor “Fun Fun Fun” leicht positivere Töne anstimmt, ohne den bittersüßen Unterton des Albums vermissen zu lassen. Es folgt “JFH”, ein schwer zu verdauender Song über den Selbstmord eines guten Freundes, der auf Akustikgitarre beruht und von einem Chor der zusammenrückenden Freunde abgeschlossen wird.

“You left the party too early this time, my friend,

please come home, please come home…”

Nach dem punkigeren “God Damn Coward”, das von Ängsten, Soziophobie und dem Hintersichlassen der Vergangenheit handelt, folgen vor und nach dem bereits angesprochenen “Taking back the living room” die ruhigeren Tracks “Heathers” und “House Guest”. Als sehr guter letzter Song bringt “Hurts like Hell” den charakteristischen Sound der Band sehr gut zur Geltung.

Der Sound

Trotz oder gerade wegen der vielfältigen Grenresprengungen fällt kein Song aus dem Gesamtgefüge. Das Album ist insgesamt eine runde Sache. Der Einsatz seines Instruments durch Violinist Sergio verleiht den Songs ein besonderes Etwas. Das teils zurückhaltende, teils nach vorne gehende Spiel des Drummers Pete verleiht sehr gute Variation. Der Wechsel zwischen sehr akustischen Songs und Full-Band-Tracks in denen Gitarrist Cal und Bassistin Sophie vollen Einsatz zeigen macht das Album sehr abwechslungsreich und stimmig.

Fazit

Vom ersten hören an spürt man Emotion und Leidenschaft in jedem Song. Das Album hält viele Überraschungen bereit. Hervorzuheben sind hier der Gesang von Bassistin Sophie im Track “Taking back the living room” und insgesamt die Variation von Dans Stimme. Besonders die härteren, raueren Parts sind im Kontext einzigartig. Musikalisch wie textlich ein exzellenter Einblick in ein “Fizzy Brain”

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