Einfach mal ohne viele Worte. Easyly one of the best concerts ever played. Taking Back Sunday – Live From Orensanz. Das Setting der Bühne ist unfassbar gut und erinnert an den Unplugged Auftritt von Dashboard Confessional damals. Gebt es euch. Immer und immer wieder. Wahlweise auf Youtube oder bei Spotify. Wir haben für euch beides eingebunden.
Spuren im Schnee
Einen Fuß locker aus das Knie des anderen Bein’s gelegt, sitze ich schweigend in der Nacht. Die Kopfhörer über meiner Mütze wechseln sich damit ab, mit dem Soundtrack von Ziemlich beste Freunde und meiner MiesePrieseSongs-Playlist die kalte Nacht zu durchbrechen. Die Luft vor meinen Augen kristallisiert sich mit jedem Atemzug. Wie ein Kaleidoskop bricht sich das Licht des Mondes in meinem Atem und taucht den Boden vor mir in ein Lichtspektakel wie in 1001 Nacht. Um mich herum fällt kleiner, weicher Pulverschnee. Nicht viel. Gerade genug um im Licht des Mondes und der Straßenlaternen zu tanzen. Der Platz vor mir ist weiß. Keine Spuren im Schnee. Kein Mensch hat bisher die Schneefläche betreten. Es hat etwas erhabenes in diesen Momenten anwesend zu sein. Zu sehen wie schnell die Natur etwas verschwinden lassen kann. Vergänglichkeit im Zeitraffer. Wo vor zehn Minuten noch ein Platz war ist jetzt ein kahle, kalte, Zentimeter hohe Decke aus feinsten Eiskristallen.
Ich lege den Kopf in den Nacken und schaue in den Himmel. Die hellsten Sterne funkeln selbst im Licht der Laternen noch in diesem von Wolken zerrissenen Stadthimmel. Die Eiskristalle des Schnees bleiben in meinen Augenlidern hängen. Die Zigarette in meiner Hand brennt immer weiter ab. Längst vergessen. Ich konzentriere mich eh nicht mehr auf meine Gedanken. Sie fliegen wie Eintagsfliegen durch meinen Kopf. Alle wollen das ich sie wahr nehme. Sie verbinde. Sie mir einverleibe. Mich ihnen zuwende. Sie zu Ende denke. Ich kann momentan aber eh keinen klaren Gedanken fassen. Zu verwirrend ist mein Leben in diesen Tagen. Das einzige was immer wieder aufblitzt, wenn ich blinzele sind die Bilder. Bilder von ihr. Bilder von der Heimat. Bilder meiner Geschichte. Sie bleiben auf der Netzhaut hängen und projizieren sich in die Schneeflocken.
Während Maeckes mich fragt ob ich noch weiß wie es war, sehe ich sie lachend vor mir sitzen. In dem kleinen Straßencafe. Direkt um die Ecke ihrer Wohnung. In der Heimat. Ich blinzele. Der verschneite Garten meiner Eltern flackert in den Schneeflocken über meinen Augen. Grinsend und ganz mit Schnee bedeckt kommt unser Hund neben der Katze aus der Hecke und schüttelt sich. Blinzeln. Jahre später. Der gleiche Garten. Neuer Schnee. Diesmal kommt nur noch unsere Katze aus der Hecke. Vergänglichkeit der Natur. Sie wiederholt sich immer wieder in unserem Leben. Auf eine andere Art und Weise. Blinzeln. Ich sehe mich selbst. Neben ihr. Auf derselben Bank. Es ist Spätsommer. Wir lachen wieder. Erstaunlich wie oft wir eigentlich gelacht haben. Blinzeln. Der Nachthimmel über mir. Ich muss meine Augen schließen. Die Zigarette ist längst aus. Ich werfe sie in den Mülleimer neben mir und stehe auf.
Wo vorher noch eine unberührte Schneedecke war, werden für kurze Zeit meine Fußspuren zu sehen sein. Für einen kurzen Moment verschmelzen meine Schuhe mit dem Schnee unter ihnen. Formen ihn. Verändern ihn. Dann gehen sie weiter und lassen ihn zurück. Verändert. Verformt. Aber nicht vergessen. Ein Teil des Schnees bleibt an ihnen kleben und verändert ihre Farbe. Für immer. Ich atme ein letztes Mal durch und setzte langsam und behutsam einen Schritt vor den anderen. Ich möchte soviel wie möglich von der wunderschönen Schneedecke erhalten. kultivieren. Damit ein anderer dieses Wunderwerk bestaunen kann. Meine Spuren im Schnee werden schon bald im stärker gewordenen Schneefall verblassen. Aber trotzdem werden sie noch da sein. Unter der Obersten Schicht. Für immer. Wie der Schnee an meinen Schuhen. Hoffe ich.
Image via Flickr.
That old song – Eine Disconacht
Hinter ihm liegt die Hitze. Vor ihm die Kälte. Der einzige Schutz bis zu diesem Zeitpunkt war eine schwere Eisentür in deren Rahmen er nun stand. Bevor er sich nach Alaska traute, zog er seinen Schal fester und richtete seine Mütze. Mit dem Zuschlagen der Tür stellte er auch den Kragen seines Mantel hoch. Es mussten mittlerweile Minusgrade sein. Seine Schritte sind ungelenk. Tappsig. Es war mal wieder ein Bier zuviel gewesen. Alle anderen hatten schon lange den Weg nach Hause oder in irgendein Bett angetreten. Nur er war mal wieder auf der Tanzfläche versackt. Neben der Frau seiner Träume. Zumindest für diesen Abend. Der Nebel seines Atems war so undurchsichtig wie der Nebel durch den er sie zum ersten mal gesehen hatte. Sie hatte mit drei Freundin zusammen getanzt. Nur zwei Meter neben ihm.
Die Bloggeschichte 2012 – Kapitel VIII – Catherina
Dass Fabian die Sms vielleicht nicht lesen wird, weil er mit seinen nächtlichen Tussi-Aktionen beschäftigt ist, kommt mir gar nicht in den Sinn. Während ich mein Handy wieder in meine Hosentasche balanciere, bemerke ich, wie verheizt ich aussehen muss. Eine Mischung aus Schweiß, Bier, Rauch und etliche fremde Körperflüssigkeiten, die beim Tanzen durch die Menge fliegen – auf meinen Klamotten.
Was denkst du über Klamotten nach, Junge. Die beiden Mädchen haben ja gesagt, eingewilligt mit an den See zu kommen. Die Frau mit den blauen Augen und dem Erdbeermund, sie hat nicht nur Notiz von mir genommen, nein, sie kommt mit mir zum See. Und Meja. Fabian, lass mich nicht hängen!, denke ich und hauche mit meinem Gletschereisatem ein „Kommt, lasst uns los gehen.“ in die dunkle Nacht.
Die beiden stehen auf, schnappen sich ihre Handtaschen und wir laufen los. Ob ich ganz lässig wohl meine Hand um ihre Schulter lege, fragen soll, ob ich ihre Tasche tragen soll …Vor lauter Gedanken über Möglichkeiten und Eventualitäten fällt mir erst nach einiger Zeit auf, dass eine ekelhafte Stimmung von peinlichem Schweigen entstanden war.
Immer wieder merke ich, wie der Alkohol noch immer einen Kampf in mir ausübt. Immer wieder muss ich für eine kurze Zeit die Augen schließen, um dieses Drehen abzuschalten … Wie lange war es eigentlich noch einmal bis zum See? Hat sie einen Freund, oder nicht, wäre er nicht dabei gewesen, nein, sie ist erst seit kurzem hier, aber … zu viele Gedanken. Ich schließe wieder kurz die Augen.
Noomi boxt mir mit einem wunderschönen Lächeln in die Seite:“ Alles gut?“ „Jaja, alles super.“ Wieder merke ich, dass ich dieses kotzgeschmackverdrängendes Ekelbonbon Gletschereis gelutscht habe. Langsam nähern wir uns dem See. Ich zeige Noomi „unsere“ Stelle.
Sie atmet tief ein, formt ihre zuckersüßen Erdbeerlippen um einen Schrei in die Nacht zu schicken. Das war einer dieser Schreie, die alles von einem abfallen lassen – Freiheit. Sie lässt sich ins Gras fallen. Meja setzt sich neben sie.
Ich schaue auf den See, wie sich der Mond im Wasser spiegelt. Ab und zu sehe ich zwei Monde, oder drei einhalb, noch einmal schließe ich die Augen. Dunkelheit. Ich denke an sie, sie ist mit mir hier. Mit einem leichten Grinsen lasse ich mich neben sie in die Wiese fallen.
Noomi bestätigt mir Sekunden später mit einem „ Es ist schön hier.“, dass es die richtige Entscheidung war, sich dem haligallinightlife zu entziehen.
Die angenehme Ruhe wird durch meinen bescheuerten Klingelton des Handys gestört – hätte ich doch bloß auf lautlos gestellt.
Die Bloggeschichte 2012 – Kapitel VII – Hannah Maria
Gletschereis. Es ist eines dieser ekelhaften Gletschereisbonbons, die alle so lieben, außer ich. Mein Opa kramte früher immer eines dieser Dinger aus dem hinteren Teil seines kleinen Schnapsschrankes, wenn sonst keine Süßigkeiten im Haus waren. Man musste die alten Bonbons regelrecht aus der Folie puhlen und hatte man es dann endlich geschafft, schmeckten sie nach muffigem, alten Holzschrank. Die Konsistenz vom jetzigen Bonbon lässt mich erahnen, dass auch dieses schon länger in ihrer Handtasche verweilte. Aber es war von ihr und allein das war Grund genug meinen Würgereflex zu unterdrücken. Ja, ich lutschte ein Bonbon von ihr. Von ihr? Mir fällt erst jetzt auf, dass ich sie gar nicht nach ihrem Namen gefragt habe. Scheiße, wie unhöflich.
Ich versuche meine müden Augen ein letztes Mal zu kontrollieren und meinen Kopf zu heben um sie nach ihrem Namen zu fragen. „Hey, ich Arsch hab noch gar nicht gefragt wie du heißt. Ich bin Felix.“ Sie lächelt, neigt ihren Blick erst nach unten, dann nach oben, streicht sich eine Haarsträhne hinters Ohr und antwortet „Noomi“. Noomi, flüstere ich leise vor mich hin und schieb dabei das Bonbon im Mund von einer Seite auf die andere.
Plötzlich spüre ich einen harten Stoß im Rücken. „He, Flix du Wichser. Ich hab dich überall gesucht. Sag mal, hast du gekotzt?“, es ist Fabian der Penner. Der hat mir gerade noch gefehlt. Er mustert Noomi von oben nach unten, bleibt mit seinen Augen an ihrem Ausschnitt hängen und äußert dabei eines seiner perversen Pfeifgeräusche. Ich stoß ihm mit den Ellbogen kräftig in die Rippen. „Ist ja schon gut, kotzender Romeo. Ich lass euch alleine.“, sagt Fabian, dreht sich um und hüpft schreiend zurück in die Disco.
„Ich glaub ich hab dich hier noch nie gesehen, kann das sein?“, sage ich mit zögernder Stimme um das Gespräch in die Gänge zu bringen. Etwas Besseres ist mir leider nicht eingefallen. Ich Dummkopf. Vielleicht hätte ich mir echt ein paar blöde Sprüche vom Fickmeister Fabian merken sollen. Naja. „Ja, das stimmt. Konntest du aber auch gar nicht. Ich bin erst vor kurzen wieder nach Deutschland gezogen. Die letzen fünf Jahre haben meine Eltern, meine beiden Brüder und ich in Stockholm gewohnt. Meine Mama ist Schwedin.“, antwortet Noomi.
Das erklärt natürlich einiges. Ihre schwedische Abstammung lässt sich nur schwer verleugnen und als sie ihren Namen gesagt hat, habe ich mir schon gedacht, dass er nach hohem Norden klingt. Toll. Eine geheimnisvolle, schöne, Unbekannte aus Stockholm. Sie ist also noch gar nicht vorbelastet und hat dann wohl auch nichts von meinem kleinen Magen und Darmzwischenfall in der Schule mitbekommen. Ich hab es aber auch mit Körperflüssigkeiten. Am besten esse ich einfach gar nichts mehr, dann kann oben schon nichts mehr rauskommen und unten dann irgendwann auch nicht mehr. Meine Gedanken schweifen ab und ich habe nicht bemerkt, dass sich ein weiteres Mädchen zu uns gestellt hat.
„Das ist Meja, meine schwedische Cousine. Sie hat gerade Ferien und wollte sich mein neues zu Hause anschauen. Meja, detta är Felix. „. Ich bringe nur ein kurzes „Hi“ raus. Eigentlich wollte ich doch mit Noomi alleine sein, aber beim Anblick von Meja, hab ich mir gleich gedacht, die wär etwas für Fabian. Meja schaut mich an, grinst und murmelt irgendetwas auf Schwedisch in Noomis Ohr. Toll, hätte ich in der Zehnten doch besser den freiwilligen Schwedischkurs belegt. Das ist jetzt die Strafe. Noomi fängt über Mejas Gemurmel an zu lachen und mir wird dabei ganz warm ums Herz. Wie schwul, aber ich glaube ich habe mich längst in sie verknallt. Das letzte Mal erging es mir so bei Nina und mit ihr war ich drei Jahre lang zusammen. Bis mein damaliger bester Kumpel Thomas sie nach einer Party flachgelegt hat. Der Pisser. Naja. Oder ist es bei Noomi nur der Alkohol? Nein, ich denke nicht.
„Du, wir gehen jetzt. Da drinnen läuft nur komische Musik und es ist auch ziemlich laut.“, sagt Noomi und dieser Satz macht mich jetzt vollkommen nervös und bringt mich ins straucheln. Wäre ich ein wirklich cooler Typ und hätte anständige Eier in der Hose, würde ich sie einfach nach ihrer Nummer fragen, oder sie gleich einfach küssen, aber das kommt wohl ohne Zähne putzen jetzt nicht so gut an. Das Gletschereisbonbon war schon eine ganze Weile aufgelutscht und so eklig ich diese Dinger auch finde, sehne ich mich nach einem weiteren um nur ansatzweise einen frischen Atem zu haben.
„Ähm, also wenn es euch nur zu laut ist, hier in der Nähe gibt es einen See. Da kann man es sich recht gut gemütlich machen. Wir gehen da oft hin, wenn es uns hier zu blöd wird. Vielleicht habt ihr ja Lust auf einen kleinen Umweg. Ich kann Fabian auch noch schnell Bescheid sagen.“
Noomi übersetzt mein Geschwafel und irgendwie find ich Schwedisch auf ein Mal ziemlich sexy. „Ok, aber nicht lang.“, willigt Noomi ein und ich greife sofort zu meinem Handy um Fabian eine Notfallsms zu schreiben. „Fabs, zwei heiße Schwedinnen wollen mit uns zum See! Beeil dich und zieh noch ne Packung Kaugummis. Gehen schon vor.“
Die Bloggeschichte 2012 – Kapitel VI – Hannah K
„Das kann passieren.“, grinse ich dümmlich, sehe den Widerwillen, der sich langsam in ihre Augen schleicht und spüre, wie meine Seele zu zittern beginnt. Es ist einer dieser Momente, in denen man erkennt, dass man einem Menschen gegenüber steht, der – zumindest für eine gewisse Zeit – alles im Leben sein könnte. Und man ist dabei, es völlig zu versauen. Sowas passiert mir ständig. Ich glaube, niemand ist besser darin, perfekte Momente zu versauen, nein, schon auf dem Weg dorthin so dermaßen zu Stolpern, dass der perfekte Moment nur noch in meinem Kopf wahr werden kann, während mein Gegenüber nichts davon bemerkt. Das kann passieren. Was Dümmeres hätte mir ja kaum einfallen können.
An ihrer Körperhaltung erkenne ich, dass ich ihr suspekt bin. Nicht ganz sicher, ob sie mich als gefährlich oder ungefährlich einstufen soll, lehnt sie sich zurück, kramt in ihrer Tasche nach einem Bonbon, Kaugummi oder vielleicht auch nur nach etwas Zeit, in der Hoffnung, dass ich einfach verschwinde. Ihr Haar fällt wie ein Vorhang vor ihre blauen Augen, sanft erleuchtet von einer nahestehenden Straßenlaterne, deren Licht jeden Vorbeilaufenden in einen blassen, aus Augenringen zusammengehaltenen Zombie verwandelt – aber nicht sie. Sie bleibt schön.
„Als ich klein war, hatte ich eine Erkältung. Meine Mutter bestand darauf, dass ich einen Teller Nudelsuppe nach dem anderen esse, bis ich irgendwann im hohen Bogen auf den Boden kotzte. Sie war ziemlich sauer.“, leichthin erzählt die Schöne diese Geschichte, hält mir ein Bonbon hin und sieht mich ein wenig amüsiert an. „Deine Kotze muss wenigstens keiner wegwischen.“ In ihren Augen erkenne ich, dass sie sich entschieden hat, mich für ungefährlich zu halten. Ich sehe aber auch, dass es einiges kosten würde, mich in ihren Augen ähnlich attraktiv wirken zu lassen wie sie es in meinen war.
Mit schwitzenden Händen greife ich nach dem Bonbon, packe es aus, stecke es in den Mund und komme erst dann auf die Idee mich zu fragen, ob ein halbbetrunkener (oke, sehr betrunkener), bonbonlutschender, schwitzender und definitiv nach Kotze riechender Mann nicht noch ein wenig unattraktiver wird, wenn er nun auch noch ein Bonbon lutscht wie eine wiederkäuende Kuh.