[Interview] museum in Hildesheim

Viertel nach sechs. Die Tachonadel dreht mittlerweile nur noch im Sechs- bis Achttausender Bereich und ich frage mich ernsthaft ob wir die Rückfahrt nicht doch per Bahn antreten müssen. Im Radio läuft voll aufgedreht museum. For the very first time, midwinter und the law in Dauerschleife. Texte lernen. Klappt nicht wirklich, mein Motor ist zu laut. Dann endlich kommt die Abfahrt nach Hildesheim ins Blickfeld. Runter. Verfahren. Weiter. Verfahren. Weiter. Immer noch verfahren. Das Navi behauptet wird sind im Stadtpark, ich sehe um uns herum immerhin eine etwas runtergekommene Wohngegend. Links abbiegen. Ups. Einbahnstraße. Ohh. Zufall. Wir sind da. Der Stundenzeiger der Uhr hat die sieben Uhr bereits weit überschritten und zeigt uns an, dass wir über sechzig Minuten Verspätung zu unserem ersten Interview überhaupt haben. Super. Ich hasse das Auenland.

Über eine Brücke ging es dann zur Kulturfabrik Löseke. Jungs und Mädels lasst es euch gesagt sein. Das. ist. am. Arsch. der. Welt. Zwischen zwei Bahngleisen. Zwischen. Bahngleisen. Stadtplanerische Glanzleistung. Nicht. Mit dem Navi kommt man da nicht wirklich hin und, ich hab das auf dem Rückweg nochmal getestet, auch der Parkplatz ist praktisch nicht zu finden. Der offizielle Parkplatz war, mal nebenbei bemerkt, auch weiter weg als der den wieder zufällig fanden. Nun gut, genug gemotzt. Wir kamen an und verliefen uns wieder. Falscher Eingang. Irgendwann kamen wir dann aber doch noch an und fanden die Band noch beim Proben. Das erleichterte vor allem mich. Erst innerlich, dann Geldbeutel technisch bei McDonalds. Als wir zurück kamen konnte das Interview dann auch beginnen.

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Hier nun das Interview im Frage/Antwortstyle. Die Antworten kamen zum Großteil von Tobias. Wobei der Rest der Band immer wieder Einwürfe gemacht hat, welche ich allerdings keinem Namen zuordnen konnte, da ich mir Namen nicht so gut merken kann. Entschuldigt dies bitte.

1. museum – Deutsch oder Englisch aussprechen?

Deutsch. Also da haben wir nie drüber nachgedacht ob wir das englisch aussprechen würden. Also sprecht es deutsch aus.

2. Wie kamt ihr auf den Namen?

Der Running Gag zu unserem Namen ist ja das wir museum heißen, weil radioheadum nicht ging. (lachen) Damit soll auf den ständigen Muse Vergleich angespielt werden. (A.d.R: Ich kenne Muse nicht, ist aber trotzdem lustig.)

3. Wie lange gibt es euch jetzt schon? Wart ihr vorher schon in anderen Bands?

Die allererste Besetzung der Band geschah irgendwann im 2003 oder 2004. Oder 2005? Irgendwas in dem Dreh. Das erste Konzert überhaupt wurde im Dezember 2004 gespielt. Die Band gibt es in der Art und der Besetzung jetzt seit 2009. Vorherige Bands? Gab es nicht wirklich. Für viele ist das die erste Band. Manche Leute haben sogar extra für die Band ihr Instrument erlernt.

4. Warum sind eure Texte auf Englisch?

Das ist eine gute Frage. Da haben wir irgendwie nie drüber nachgedacht. Das ist ja auch eine Stylefrage. (A.d.R: Alles was Englisch ist klingt so lange es Indie ist, zumeist doch relativ geil.) Aber wenn man jetzt nach Gründen sucht ist es vermutlich die musikalische Erziehung gewesen bzw. der Hintergrund oder besser noch die musikalische Sozialisation (Blur, Muse(*HAHA*), Oasis, Radiohead, sowie viele Sachen der 80’s). Man hat ja damals wie heute fast nur englische Lieder gehört.
Selbst im Jahre 2005, als dieser ganze Mainstream Deutsch Indie aufkam (Wir sind Helden, Juli usw.) hat sich uns nie die Frage gestellt ob wir evtl. mal auf Deutsch singen sollen. Wir tun das einfach nicht. Aber wenn wir was auf Deutsch machen würden vermutlich dann eher in die Richtung von Delbo oder klez.e.

5. Sind eure beiden EP’s noch erhältlich?

Die zweite (Exit Wounds) EP ist erhältlich und man kann auf unserer Last.fm Seite die kostenlosen Tracks herunterladen. Die erste (Old Firehand) EP ist aufgrund von nicht mehr zeitgemäßen Aufnahmen und der schlechten Qualität nicht mehr erhältlich. Man sollte vielleicht auch noch sagen, dass die erste EP mehr ein Soloprojekt von Tobias war.

Zusätzlich kann man sich unter binarymuseum.net die beiden Demos zum aktuellen (und hoffentlich bald erscheinenden) Album “Traces of” herunterladen.

6. Zukunftspläne? Eigenes Label? Major Label? Albumrelease?

Also wie es weitergeht muss man sehen. Einen Labelvertrag würden wir natürlich alle nicht ablehnen. Wobei das aber schwerer ist als man denkt überhaupt erst mal einen zu bekommen. Der Einwurf mit dem eigenen Label ist auch interessant, aber es würde sich vermutlich einfach nicht lohnen. Von daher werden wir die Platte wenn gar nichts funktioniert evtl. auch in eigen Regie herausbringen.
Dann aber als Best-off und auf jedem kommenden Album ein oder zwei Lieder von dem ersten Album unterbringen. (lacht)

Damit ging das relativ kurze Interview auch schon vorbei und die Band hat sich auf ihren Auftritt vorbereitet. Der war dann wirklich sehr, sehr geil. Leider war die Akustik nicht perfekt, aber das hat nur der Stimmung gedieht und ihr keinen Abbruch getan. Ein gelungener Abend und eine wunderbare und sehr sympatische Band.

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Vorfreude

Die Drehungen der Welt um ihn herum passierten so schnell, dass er seine Umgebung nur noch als wirren Farbkreisel wahrnahm. Während sich die Erde in diesem ungeheuren Tempo auf seinen Augen kreiselte, wurde ihm die Tragweite dessen bewusst was gerade passierte. Seine Synapsen jedoch transportierten unter diesen Umständen alle Reize, die nichts mehr der Außenwelt zu tun hatten, mit einer ungeheuren Verzögerung. Er wollte schreien, aufwachen oder besser noch die Zeit zurück drehen. Aber es war zu spät. Der Gedanke an das Ereignis welche er verpassen sollte erreichte seine Synapsen erst, nachdem ihm bereits schwarz vor Augen geworden war.

Der Anruf erreichte ihn irgendwann gegen Mittag. Endlich. Wie eine aufgedrehte fünf Jährige in der Barbieabteilung des Spielzeugladens war er den kompletten Vormittag auf seinem Stuhl hin und her gerutscht, hatte sich nicht auf seine Kollegen konzentrieren können und auch sein Chef meinte irgendwann das er doch besser nach Hause fahren solle, bevor er noch die ganze Abteilung verrückt mache. Aber dann kam der Anruf. Wie lange hatten sie, besonders er, auf diesen Moment gewartet. Die letzten sechs Jahre hatten sie es immer wieder probiert, hatten die Hoffnung schon aufgegeben überhaupt irgendwann mal Nachwuchs zu bekommen und jetzt das.

Endlich waren die neun Monate Warten vorbei. In diesen neun Monaten hatte er sich seit langer langer Zeit mal wieder wie ein Kind zu Weihnachten gefühlt. Es war das tollste Geschenk was er je bekommen sollte, zu mindestens in seinen Augen. Natürlich gab es auch Kollegen die anders dachten, aber was wussten die schon, die hatten ja alle keine Ahnung. Waren eh fast alles Singles. War ja klar! Nachdem er seinem Chef zugerufen hatte, das es endlich so gut wie da ist und er nun los müsse, hatte dieser nur freundlich gelächelt. Ob nun wegen des Babys oder weil er nun endlich weg war, das wusste er nicht. War ihm aber auch egal.

Er sprang in seinen Wagen und fuhr mit quietschenden Reifen davon. Die Vorfreude auf sein Kind malte ihm ein dauerhaftes Lächeln ins Gesicht. Er hatte das Radio voll aufgedreht. Es lief “The Worlds Greatest” von R. Kelly. Die Sonne schien an einem milden Sommertag. Es war der perfekte Tag. Alles was fehlte war seine Sonnenbrille. Lächelnd und mitsingend hielt er das Lenkrad locker in einer Hand und suchte mit der anderen, zum Handschuhfach gebeugt, nach seiner Sonnenbrille. Als er sie gerade aufsetzten wollte, sah er die Kurve zum Krankenhaus in seinm Augenwinkel erscheinen.

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Buchstaben Kombinationen

Die Worte hallten in seinen Ohren, wie in einer Muschel nach. Immer und immer wieder hörte er die selben fünf Buchstabenkombinationen: “Du Arschloch, ich hasse dich!” Ein Satz wie ein Schnellzug. In einer unfassbaren Lautstärke und Energie aus dem Mund heraus geschossen, nur um danach eine Stille zu hinterlassen die intensiver nicht sein könnte. Er sah sie an. Nichts war mehr da. Weder Schmerz. Noch Trauer. Noch Verzweiflung. Selbst der Hass von dem sie gesprochen hatte existierte schon nicht mehr.

Alles was geblieben war, war ein Zustand der Egalität. Das Nichts der unendlichen Geschichte in Gefühlsform. Immer wieder atmete er ein, wollte etwas erwidern, etwas sagen, schreien, flüstern, kreischen, aber dann atmete er doch wieder nur geräuschvoll aus und sah ihr in die Augen. In dieser Stille waren Worte machtlos. Seine sonstige Waffe, schnell und findig, war von sich selbst geschlagen worden. Wie ein Rammbock waren ihre Wort durch seine Ohren in seinen Kopf vorgestoßen und hatten ihn Schachmatt gesetzt.

Er wusste von der Bewegung, bevor sie sie ausführen konnte. Wie in Zeitlupe nahm er die Drehung ihrer Beine, ihrer Hüfte und schließlich ihres ganzen Körpers wahr. Seine Gedanken kreisten um den einzigen festen Pfahl in diesem Tornado der Gefühle. Wenn sie jetzt geht, dann ist sie weg. Für immer. Unternimm was. Tu etwas. Sag etwas. Was? “Es tut mir leid!“ Sie blieb abrupt stehen. Drehte ihren Kopf noch einmal. Er sah eine einzelne Träne. “Das fällt dir jetzt ein?” Mit diesem Satz löste sich auch der letzte noch stehende Pfahl und riss ihn ins Bodenlose.

Alles was blieb war der eisige Luftzug und das Nachklingeln der Geräusche seinen eigenen Schnellzugs: “Ich verlasse dich!” Er hatte sie mit voller Wucht getroffen. Nicht sie ihn.

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Mehr Dekadenz – Neues Design!

War ja klar! Im Dezember verspreche ich mehr Beiträge und was passiert? Nichts. Naja gut doch. Kevin und ich waren bereits Anfang Januar der Meinung mit dem neuen Jahr, größeren Ambitionen und der überall einkehrenden Sucht nach neuer, toller und irgendwo auch geiler, unser Design ändern zu müssen. Gefühlte 50 Milliarden Free-Theme-Templates und noch mehr Viren und Backdoor-Programm verseuchten Seiten haben wir uns dann an unser Lebensmotto erinnert. Dekadenz. Immer. Überall. Also auf zum Themeforest und mal was vernünftiges kaufen. Das Ergebnis seht ihr, wenn ihr nicht in irgendeinem Feedreader rumranzt, live vor euch.

Was genau ist jetzt das besondere daran? Keine Trackbackanzeige. Höhö! Naja kann ich mit leben. Der Rest ist einfach umwerfend. Besonders die Tatsache Projekte anzulegen, Navigationspunkte ohne Seiten und 130 verdammt sexy Shortcodes sind nur einige der wirklich vielen Funktionen des Themes. Es ist sozusagen fast ein CMS für das fast CMS WordPress. Wir haben jetzt Quasi CMS + CMS = CMS2 oder so. Mathe war ja noch nie mein Ding.

Bevor ich euch jetzt allerdings bitte übertriebene Lobeshymnen auf das Design auszusprechen, würde ich vorher gerne wissen, da wir da jetzt echt ewig drüber nachgedacht haben, ob ihr die Kategorien so beibehalten würdet oder verkleinern würdet. Also z.B. Photographie, Architektur, Zeichnen usw. als Kunst und Design zusammenzufassen oder ob die Kategorie Bloggeschichte noch Sinn hat jetzt wo sie auch als Projekt existiert? Würdet ihr überhaupt regelmäßig in die Projekte gucken? Achja und wenn ihr sonst noch was auf dem Herzen habt zu roadeo.de, immer raus damit.

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Hey du, danke, dass du da bist!

Hey du, also ich weiß es ist etwas unfreundlich um diese Uhrzeit so reinzuplatzen, aber ich musste einfach mit dir reden. Seit längerem schon liegen mir diese Worte auf der Zunge und irgendwie habe ich jetzt das Gefühl, dass in diesem Moment der richtige Augenblick ist, dir zu sagen, was mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf geht. So, here it goes:

Ich wollte eigentlich nur Danke sagen. Du glaubst mir nicht? War klar! Aber lass mich, mich erklären. Ich weiß, ich weiß… in letzter Zeit harmonieren wir erstaunlich gut und sind auch sonst mit unserer Beziehung soweit im Reinen, aber das war ja, bei Gott, nicht immer so. Die Zeiten die wir durchlebten waren oftmals Sturm gepeitscht und undurchsichtig. Zu oft standen wir Seite an Seite um die Probleme der Welt gemeinsam von uns abzuwenden nur um kurz danach wieder im unbändigen Hass aufeinander los zu gehen und darauf zu hoffen der Andere würde sich einfach verziehen. Für immer.

Haben wir beide nicht. Wie auch. Wie sind von einander abhängig. Immer. Tag für Tag. Monat für Monat. Jahr für Jahr. Wir sind wie Romeo und Julia. Sonne und Mond. George und Dick. Trotz der Streits, sei es wegen irgendwelchen Frauen die einer von uns beiden attraktiv fand, wegen unserer Eltern die wenn überhaupt nur mit mir geredet haben oder wegen meiner Freunde die sich oft genug über uns beide lustig gemacht haben, trotz all dieser Anschläge auf uns oder unsere Beziehung haben wir immer wieder zu einander gefunden.

Ich habe lange Zeit darüber nach gedacht dir das zu sagen. Ich hab Nächte lang meinen Schlaf damit vertan unsere Beziehung, unsere Abhängigkeit und unsere unerschütterliche Freundschaft, aber auch unseren Hass, unseren manchmal schon mit Todesdrohungen erfüllten Hass zu verstehen. Aber es half alles nichts, ich kam zu keinem logischen Schluss. Aber dann, eines Nachts vor ein paar Tagen wurde es mir klar. Früher dachte ich wahre Liebe wäre eine Erfindung der Industrie um Schokolade zu verkaufen. Heute kenne ich die Wahrheit. Dich! Dich in deiner ganzen Größe.

Danke das es dich gibt Herz.

Dein Verstand.

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We’ll take you down the only road we have ever been down

Der Abrisskalender auf dem Schreibtisch ist bei letzten Blatt angekommen. Passte er am Anfang des Jahres nicht mal in die Hosentasche, so kann man in heute in das Geldfach seines Portemonnaies stecken. Ein ganzes Jahr passt auf einmal in die Hosentasche. Dort verstaut wirkt es auf einmal so unscheinbar, klein und kurz. Vermutlich wird es zerknicken. Stücke werden herausgerissen und mit anderen Informationen überschrieben. Irgendwann wird es ein Flickenteppich sein der im Papierkorb endet und somit in Vergessenheit gerät.

Jedoch könnten wir dieses Kalenderblatt auch aufheben. Die wichtigsten Ereignisse noch einmal niederschreiben auf diesen 30 Quadratzentimetern. Wir könnten es zu den anderen Erinnerungen legen die wir in ruhigen Minuten heraus holen um uns an besondere Ereignisse zu erinnern. Könnten ein Zeugnis dessen erschaffen, was wir erlebten, was uns glücklich machte, was uns trauern ließ und auch von den Dingen denen wir zu der Zeit als sie passierten keine besondere Bedeutung zugemessen hatten. Wir könnten uns eine Möglichkeit erschaffen dieses Jahr mit all seinen Höhen und Tiefen zurückzurufen.

In diesen Sinne ein Hoch auf den 100. Beitrag hier auf Roadeo. Auf zwei Co-Autoren. Auf die Entdeckung der Liebe zu Kurzgeschichten. Auf ein wunderes Treffen in Köln. Auf wunderbare Trailer. Auf die Kunst. Auf die Kultur. Auf die Architektur. Aber vor allen ein Hoch auf euch, die Leser. Das kleine aber feine Rädchen, welches jedoch immer größer wird, und das entscheidende Bindeglied zwischen Idee und Beitrag darstellt. Ohne euch und eure Kommentare wäre das ganze hier nur halb so spaßig. Behaltet das Jahr 2010 und uns in guter Erinnerung.

Wir sehen nächstes Jahr.

Guten Rutsch!

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