Dein Name in meinem Arm

Langsam nahm er auf dem Stuhl platz. Er hatte lange drüber nachgedacht. Für und Wider abgewogen. Sowas bleibt ja schließlich dauerhaft und auf dem Unterarm – da sieht man sowas auch relativ leicht. Vermutlich würde er einige Jobs nicht mehr annehmen können aber das war ihm egal. So etwas war ein Statement. Ein Lebensgefühl. Dein Name in meinem Arm. Außerdem tat er es für sie. Wie alles in dieser Beziehung war auch diese Handlung ein Liebesgeständnis seinerseits an sie.

Noch einmal tief einatmen, dann ging es auch schon los. Der erste Stich tat ziemlich weh. Schmerzerfüllt verzog er das Gesicht und probierte den Schmerz mit positiven Gedanken an sie zu überbrücken. Er dachte an den ersten gemeinsamen Urlaub im Süden. Wie sie beide durch die engen Gassen der Altstadt gelaufen waren, Eis aßen und gelacht haben. Über die Sprache, die Menschen und die Stadt. Am meisten aber über sich selbst. Während er sich dieser glücklichen Momente erinnerte entstand auf seinem Unterarm langsam der erste Buchstabe.

Der Schmerz war mittlerweile erträglich geworden. Oder hatte es sich dran gewöhnt und es einfach akzeptiert – wie er auch so vieles von ihr akzeptiert hatte? Er konnte es nicht sagen! während die nächsten Buchstaben entstanden, schweifte er wieder ab, dachte über sie, über ihn, über sie beide nach. Er liebte sie. Das war sicher. Aber sie hatten sich voneinander entfernt. Einfach so. Ohne es zu merken. Er wollte es mit aller Macht verhindern. Aber er konnte nicht – er wollte vermutlich aber auch einfach nicht. Es war zum verrückt werden.

So verrückt es auch war. Er musste ihr diesen Liebesbeweis erbringen. Musste ihr zeigen was sie für ihn bedeutete, was er bereit war zu tun. Damit sie endlich auch mal so für die Beziehung einstand. Wie oft hatte er sie gebeten etwas zu ändern. Auf ihn einzugehen. Aber sie konnte es nicht? wollte es nicht? es interessierte se nicht? Er konnte es nicht erklären.

Er wusste nur das er ihr seine Liebe auf eine ganz besondere Art und Weise zeigen musste. Der Schmerz half ihm dabei das nun endlich klar zu sehen. Der letzte Buchstabe ihres Namens war so gut wie fertig. Bevor er zum letzten Teil ansetzte, genehmigte er sich einen weiteren Schluck aus der offenen Whiskyflasche, wischte sich die Tränen unter den Augen weg und setzte wieder an. Seine Tränen unterlaufenden Augen verschlechterten seine Sicht, doch das war ihm egal.

Vorsichtig setzte er an, drückte die Spitze leicht in die pulsierende blutüberströmte Haut seines linken Unterarms und begann den letzten Strich zu ziehen. Irgendetwas in ihm zwang ihn dazu immer fester zu drücken. Durch die Haut in das Fleisch seines Armes hinein drückte er die Spitze immer tiefer. Der Schmerz war höllisch und himmlisch zu gleich. Er konnte es nicht lassen, er zog den Strich weiter und weiter bis er einen Nerv traf, abrutschte und sich die Pulsader kurz vor der linken Hand auf einer Länge von drei Zentimetern glatt Aufschnitt.

Vor Schreck ließ er das Messer fallen und schaute wie erstart auf die pulsierenden Blutströme aus seinem Unterarm. Bevor er überhaupt daran denken konnte auf irgendeine Art und Weise Hilfe zu rufen, wurde ihm Schwarz vor Augen und er fiel klatschend in sein eigens Blut. Der letzte Gedanke den er fassen konnte war die Erkenntnis, das seelischer Schmerz nicht durch körperlichen ausgeglichen werden konnte.

Der Welt würde er diese Erkenntnis nie mitteilen können.

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.