Roadeo.de 2016 Edt.

Landau

1. Mai. Heimlich geht eine Webseite wieder online. Das Ende des Studiums, der Beginn der Vollzeitarbeit und die Androhung einer Klage hatten dazu geführt, dass die unter www.roadeo.de bekannte Webseite erst einmal offline war.

Nach reiflicher Überlegung wurde ein neues Konzept umgesetzt: Das Design wurde minimalistischer, das Logo prominenter, der Claim ging verloren, das Datum für egal befunden und die Kategorien zusammengemanscht.

Herausgekommen ist eine erwachsen gewordene Webseite mit dem Fokus auf das Wesentliche, den Kern unseres Schaffens hier auf Roadeo.de – das Wort, den Satz, die Buchstaben.

Die Postingfrequenz wird dennoch weiterhin so divers sein, wie die Auswahl an Produkten bei real.

Wir freuen uns aber trotzdem wenn ihr uns weiter besucht und hin und wieder mal reinschaut.

In dem Sinne
Die Verwaltung

This town kills you when you’re young

This Town kills you when your young

Wenn der Himmel gnädig war und nicht zu viele Wolken herumschubste, sah man die Spiegelungen der Sonne in den Glasfassaden der Innenstadt bereits 30 Minuten bevor man die Stadtgrenze überquerte. Riesige Finger aus Stahl und Glas, die anmuteten wie eine greifende Hand, wirkten von Weitem, als wollten sie sich im Himmel fest krallen um die Stadt Stück für Stück in die Wolken zu heben. Wenn die Menschheit es schon nicht schaffte einen Turm bis in den Himmel zu bauen, muss man halt den Himmel auf die Erde holen. Monumentalismus als letzte Bastion des grenzenlosen Wahn nach Überheblichkeit.

Was von Weitem noch erhaben und mächtig, ja fast dominant wirkte, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Mahnmal an längst vergangene Zeiten. Das Glas welches früher jeden einzelnen Finger wie ein Spinnennetz umspannte, lag jetzt als Splitterteppich in den untersten Stockwerken und tauchte die Adern aus blankem Stahl und nacktem, kalten Beton in ein gespenstisches Lichtermeer. Vereinzelt fand man noch verrottetes und zerschlagenes Mobiliar der ehemaligen Arbeitgeber in den sonst leeren Hallen der Großraumbüros. Tagsüber ein Paradies für Fotografen, war es ab den Abendstunden Zufluchtsort für die perspektivlose Jugend einer heruntergekommenen Stadt irgendwo im Nirgendwo.

Wie jeder in dieser Stadt war er zwischen zugezimmerten und wieder aufgebrochenen Betonschluchten und immer gefüllten Eckkneipen groß geworden. Leben hieß für ihn in der Bar um die Ecke Tequila stürzen und hin und wieder mit einem Barhocker auf andere Gäste losgehen. Er hatte es nicht anders gelernt. Arbeiten war für die Jugend ein Fremdwort gewesen. Man tat das nötigste um irgendwie an Geld zukommen aber verbrachte den Tag lieber damit sich zu betrinken, zu pöbeln und in Gebäude einzubrechen an denen gewarnt wurde das die Bausubstanz marode und das Betreten strickt untersagt war. Aber was kümmerten schon die verrosteten Schilder an kaputten Zäunen, wenn man wusste das es sowieso keiner kontrollieren würde.

So hatten sie auch an diesem Sommerabend, als alle Kneipen längst überfüllt waren und vergangene Träume in den letzten Schlücken der verkalkten Biergläser aufglommen, beschlossen den Abend mit 19 Cent Bier auf der verwilderten Dachterrasse eines 80 Stockwerke Mahnmals, dem größten der Stadt, zu verbringen. Zu dritt waren sie durch den Zaun geklettert und hatten sich durch das Gras einen Weg zu einem der Fenster auf der Rückseite gebahnt. Mit der Erfahrung unzähliger Einbrüche wurde der zugezimmerte Fensterschacht aufgebrochen und ins Innere geklettert. Das Licht der untergehenden Sonne drang gedämpft durch die Bretter und Löcher im Beton und bot ein gespenstisches Lichterspiel.

Ohne die Lichtspiele groß zu beachten wurde das vierte Bier geöffnet und auf den Abend angestoßen. Ein weiterer eingebildeter Kampf gegen die Obrigkeit und ihre längst zerfallene Macht war gewonnen und nun hieß es Kriegsbeute plündern. Spraydosen wurden ausgepackt um die vergilbten Wände mit pseudointelektuellen Sprüchen und Hasstiraden auf das System zu füllen. Ein paar Spraydosen und etliche Biere später waren sie auf dem Dach angekommen. Wo früher noch Afterwork-Partys gefeiert wurden, war heute nur noch der entfernte Krach der Kneipenschlägerein zu hören. Die zusätzlich einsetzende Dunkelheit welche nur von dem Licht des Mondes durchbrochen wurde schuf, in Verbindung mit den Ruinen um sie herum, eine Atmosphäre die jener aus den Endzeitfilmen der Stadt mit den großen Buchstaben zum Verwechseln ähnlich war.

Im Taumel des eingebildeten Sieges und vom Alkohol vernebelt wurde die bis tief in die Nacht gefeiert. Sie fühlten sich wie Don Quichotte – ohne jemals eine Windmühle gesehen zu haben. Sie dachten sie hätten den Krieg gewonnen, aber alles was sie geschafft hatten, war auf verbrannter Erde die Wahrheit durch Wahn und Manie in Alkohol zu ertränken. Die unvermeidbare Realität würde sie schneller einholen, als sie es sich hätten vorstellen können. Aber noch dachten sie etwas bewegen zu können. Eine Veränderung herbeizuführen. Das System von innen heraus zu stürzen. Aber ohne Perspektive, in einer Stadt ohne Zukunft, waren die Weichen schon gestellt bevor der Zug überhaupt den Bahnhof verlassen konnte.

Der Spiegel

Der Spiegel - Blutbad

Der Blick führt in die Tiefe der Ungewissheit. Schmale nichts sagende Kanten verzieren eine fremde Landschaft. Eine Landschaft aus dichten Gräsern und steinigen Gebirgen. Ein erhellender Strahl aus Licht verirrt sich nur selten in jene Gebiete, welche von tiefer Trostlosigkeit bedeckt sind. Der schimmernde Glanz der Seen ist vollkommen erloschen. Ausgestorben und leer wird kein Ebenbild reflektiert. Es scheint, als würde Dunkelheit das ewige Leben zu Stein gemeißelt haben. Selbst ein Wimpernschlag besitzt weder die Kraft noch die Stärke, jenes schwarze Bild zu erhellen.

Wer bin ich? Ich bekomme keine Antwort. Tiefe Spalten lassen die Erde entreißen. Dichter Rauch legt sich über die Bergspitzen. Feurige Lava durchfließt den Erdkern und lässt den Boden erbeben. Die Flüsse werden unruhig, das Wasser steigt bedrohlich. Ein Sturm kommt auf – Lässt dichte Wälder entwurzeln und Fenster zu Glassplitter zerbersten. Die Gewalt der Natur hinterlässt ihre Spuren. Blutgetränkt liegen die Scherben am Grund. Eine gewaltige Zerstörung wohin das Auge nur blicken kann. Was mache ich hier? Noch immer bekomme ich keine Antwort.

Einzig und allein das helle Mondlicht zeichnet den Umriss der Landschaft. Die brennende Lava ist in den weiten Tiefen der Erde verschwunden. Der schwere Rauch zieht über die kantigen Berge, die Glut formt sich zu grauer Asche. Bitte hilf mir. Ich warte auf eine Antwort. Sekunden verstreichen. Minuten verstreichen. Es wird still. Tiefe Dunkelheit umgibt die Landschaft. Die Kraft des Windes schwindet dahin. Der Strom der Flüsse gibt nach und kommt letztlich zum Stillstand. Der Schleier der Finsternis fällt. Möge ich in Frieden ruhen.