Ambivalenz

Irgendwie doch ja
Und auch irgendwie nur nein
Irgendwie ganz sicher
Und auch irgendwie kann sein

Irgendwie dazwischen
Und dazwischen mittendrin
Irgendwie gelogen
Und auch irgendwie mit Sinn

Irgendwie ganz simpel
Und auch irgendwie komplex
Irgendwie verzaubert
Und doch irgendwie verhext

Irgendwie authentisch
Und auch irgendwie verstellt
Irgendwie die anderen
Und auch irgendwie du selbst

Irgendwie noch mehr davon
Und irgendwie genug
Irgendwie bescheuert
Und doch irgendwie auch klug

Irgendwie besessen
Und doch irgendwie auch frei
Irgendwie so treffend
Und auch irgendwie vorbei

Irgendwie am suchen
Und auch irgendwie gefunden
Irgendwie ganz oben
Und doch irgendwie auch unten

Irgendwie noch immer nicht
Und irgendwie schon längst
Irgendwie ganz anders
Und dann anders als du denkst

Tintenmillionär

Aus dem Fundament der Strophen
Stampft er Zeilen aus dem Boden
Lässt sich leiten von Geschichten
Hängt sich rein in Anekdoten

Hat das Inken nie gelernt
Ist trotzdem Tintenmillionär
Mit Schablonen aus Gedanken
Malt er Bilder auf dein Herz

Wie ein Seelenklemptner seinen Wortschatzt aufgeschraubt
Ausgesaugt
Buchstabensalat aus einer Tütensuppe aufgebraut

Alles offenbart was er zu sagen hat
Phrasenschach
Silbenkauf bei Jeopardy
Geöffnetes Vokabelfach

Er greift in seine Kiste voller Zaubertricks wie Copperfield
Catch me if you can
Er kann den Doktor und den Zocker spielen

Lyrische Gedanken fließen aus ihm raus wie Peterstaler
Kribbeln in der Hand wie Finalgon die noch am Zewa dran war

Der Tintenmillionär baut sich ein Haus aus Bahlsens ABC
Vestehst du was ich meine wenn ich sag dass er am Zeiler dreht

Der Duden hat ihn reich gemacht
Wie Hebel bei nem Wall-Street Deal
Beim ersten Satz wird klar
Dass niemand sonst so dieses Wortspiel spielt

Rotgeld-Rassler

Ziggi-Zombi, Coca-Curtis
Viele Namen für den einen
Rotgeld-Rassler an der Ecke
Dunkelgelb die Zähne scheinen

Ziggi fischt zu jeder Schicht
Mit Decke, Hut und klarem Korn
Aus großem Teich den kleinen Fisch
Er bettelt nicht, ist nie am schnorrn

Das rote Geld in seinem Hut
Ein Fegefeuer, heiße Glut
Verteufelt sei die Sammlerei
Doch niemals raubt man ihm den Mut

Mit großer Sorgfalt abgezählt
Die Münzen, stets nach Wert getrennt
Bei Gauloises die Brust gestählt
Im blauen Dunst, die Lunge brennt

Fleißig, immer fleißig weiter
Bis der Hut zu platzen droht
Drum tränkt er nun die nächste Bank
In rostig-kaltes Edelrot

Am Schalter wird er viel beäugt
Wie ein Schakal auf Beutezug
Das raue Fell leicht angebräunt
Tritt er nach vorn, mit Stolz und Hut

Die Blicke starr, weil er bald hält
Den Beutel voll mit frischem Geld
Der frische Druck, die feine Luft
Das Calvin Klein der neuen Welt

Applaus, Applaus, sie ziehen den Hut
Vor seinem Fleiß und all dem Mut
Man hat nun viel Respekt vor ihm
Nun Wer zu sein, das tut ihm gut

Doch gut ist es noch lange nicht
Das neue Leben, bald erwischt
Er sich bei seiner Gier nach mehr
Der Drang nimmt zu, der Glanz erlischt

Der Straßenduft zeigt wer er ist
Hat seinen alten Platz vermisst
Kauft Decke, Hut und klaren Korn
Schreibt auf sogleich, in roter Schrift

Ziggi-Zombi, Coca-Curtis
Viele Namen für den einen
Rotgeld-Rassler an der Ecke
Dunkelgelb die Zähne scheinen