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Tag: Melodien

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You drive along every day

Das monotone Brummen unter seinem Hintern veränderte sich in ein angenehmes Vibrieren. Während die Musik in seinen Ohren von einem pumpenden Bass zu einem schnellen Gitarrenstück wechselte setzte sich der Bus langsam in Bewegung. Ein Blick auf die Uhr. Dreißig Minuten noch. Er rutschte etwas tiefer in den Sitz und machte es sich bequem. So bequem wie es halt ging in einem Linienbus. Die Stadt zog wie ein zu lang gezogenes Kaugummi an seinen Augen vorbei. Vereinzelt blieben seine Blicke wahllos an Bäumen, Autos oder Häusern hängen.

Der Regen, die Wärme im Inneren und die Kälte außerhalb des Busses jedoch verhinderten einen allzu genauen Blick auf die Welt um ihn herum. Tief in Gedanken versunken fuhr er durch die Stadt. Er ruckte kurz nach vorne.  Wieder eine rote Ampel. Im gleichen Augenblick sah er sie. Verpackt in einen dicken Pelzmantel um sich gegen die nasse Dezemberkälte zu schützen stand sie an der Straße und wartete wohl genauso wie der Bus auf die nächste Grünphase. Ob ihr Anblick oder das abrupte Bremsen des Busfahrers für die Rückkehr in die Wirklichkeit verantwortlich war, würde er später nicht mehr 100%ig sagen können.

Mit einem weiteren Ruck fuhr der Bus an. Die Fußgängerampel blieb rot. Langsam bog der Bus um die Kurve. Schritt für Schritt gab ihm die Welt den Blick auf ihr Gesicht frei. Blitzschnell hatte er die beschlagene Scheibe gesäubert um sie besser sehen zu können. Die mittellangen dunkelbraunen Haare waren ihm bereits an der Ampel aufgefallen. Endlich konnte er ihr Gesicht im Portrait sehen. Er verlor sich fast ihn ihren Augen. In ihren wunderbaren braunen Augen. Die Zeit schien still zu stehen. Es gab nur noch sie. Ihre Augen. Ihr Gesicht. Ihre Ausstrahlung. Und ihn. Ihre Blicke kreuzten sich und mit einem verschmitzten Lächeln verschwand sie aus seinem Blickfeld. Instinktiv drückte er die Stoptaste. Hoffte auf eine Notbremsung.

Der Bus fuhr weiter. Er drehte sich um. Allerdings konnte er sie nicht mehr sehen, der Rest des Busses nahm ihm die Sicht. Er fluchte innerlich. Die nächste Haltestelle war noch fünf Minuten entfernt. Die Musik wechselte zu einem ruhigen Klavierstück. Langsam sank er zurück in seinen Sitz. Ein weiterer Blick auf die Uhr. Zwanzig Minuten noch. Als das monotone Brummen an der nächsten Haltestelle wieder einsetzte war er bereits wieder in seiner eigenen Welt und ließ die Stadt ohne besonderes Interesse an sich vorbeiziehen.

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June 8, 2010 Posted by Mike in Musik

Music was my first love and it will be my last

Die Sonne ist schon lange untergegangen und auch der Nachbar aus der Spätschicht hat bereits das Licht ausgemacht. Die Noten steigen erst einzeln und gemächlich aus den Lautsprechern, dann immer öfter und kräftiger. Minuten werden zu Stunden und Momente werden zu einer Ewigkeiten andauernden Symbiose aus Gefühlen und Melodien.

Musik wird als Katalysator gebraucht. Als direkt Verbindung des Fremden in unser Herz. Die Hoffung, die Trauer, das Glück und der Frust einer fremden Person manifestieren sich in diesen Sekunden als Morphium für die Seele in unseren Körpern und sprechen, auch ohne Worte, das aus was der eigene Verstand nicht greifen kann.

Diese Symbiose entführt in längst vergessene Gedanken und manchmal auch in komplett neue Welten. Jede Textzeile bekommt in diesen Momenten eine Bedeutung. Lieder werden auch nach Jahren noch mit bestimmten Ereignissen verbunden. Bei jeder Strophe schießen uns Erinnerungen durch den Kopf. Es werden Hollywoodreife Filme im Kopfkino produziert und alles dies passiert in dem Bruchteil einer Sekunde. Aber nicht nur die Worte auch die Melodien verzaubern unsere Gedanken, nehmen uns mit, tragen uns und erlauben es uns in eine Welt einzutauchen in der Träume Realität sind und die Realität nur ein blasser Schimmer am Horizont.

In diesen Momenten wollen wir ewig leben. Wir genießen die Zeit alleine oder zu zweit oder mit 1000 anderen Gästen in einer ausverkauften Stadion Arena. Augen geschlossen, Hände in der Luft oder unter dem Kopf summen, singen oder tanzen wir mit den Künstlern um die Wette und hoffen das diese drei Minuten nie vergehen werden. Denn die Zeit danach ist zumeist schlimmer als die davor. Repeat unser einziger Freund. Stille unser Tod.

Musik ist eine Droge. Die einzige die zu leisten es sich wirklich lohnt.

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