Schriftliches
Derek | Trauer | März 2009 | show
Der Wecker klingelte anders als sonst bereits um sieben Uhr morgens. Er konnte sich zwar nicht mehr daran erinnern ihn früher eingestellt zu haben, drehte sich aber aus Gewohnheit auf die andere Seite des Bettes und sah in eine ihm wohlbekannte Leere. Er hatte sich in der letzten Zeit an diesen Anblick gewöhnt, doch heute war es verständlicherweise besonders schlimm. Missmutig und schlecht gelaunt stand er auf und begann mit seiner Morgenroutine. Kaffeemaschine anstellen, ins Bad gehen, Duschen, anziehen, Frühstücken.
Irgendwie hatte er bereits beim Duschen das Gefühl, dass der Tag nicht gerade der beste seines Lebens werden würde, aber das war ihm schon gestern bewusst geworden. Nichtsdestotrotz erschreckte er sich, als er bemerkte, dass er den Tisch gedankenverloren für zwei Personen gedeckt hatte. Doch fehlte ihm die Lust wieder abzudecken und so begann er wie schon so lange sein Frühstück alleine einzunehmen. Immer wieder sah er hoffnungsvoll in Richtung Badezimmer, aber niemand kam heraus und es würde auch niemand mehr heraus kommen. Allerdings versagte ihm irgendwas in ihm an diesem Morgen das logische Denken.
In der U-Bahn war er froh, dass er sich soweit konzentrieren konnte, dass er nicht die Haltestelle verpasst hatte und pünktlich im Büro ankam. Die unterschwellige übertriebene Höflichkeit und die Distanz seiner Kollegen an diesem Morgen widerten ihn an. Aber in seinem Inneren wusste er, dass er vermutlich dasselbe getan hätte. Dennoch wollte er nicht den ganzen Tag daran erinnert werden. Wieso konnten die anderen nicht einfach normal mit ihm umgehen, es war doch einiges an Zeit vergangen? Wieso konnten die sich eigentlich alle so genau daran erinnern?
Der Tag im Büro war anstrengender als er erwartet hätte. Aber das Berichte tippen lenkte ihn wenigstens ein bisschen ab. Er würde gerne wieder an der frischen Luft arbeiten, aber sein Chef würde das nicht zu lassen. Der Psychiater hatte immer noch nicht das okay für den Außeneinsatz gegeben. Also musste er Notgedrungen in diesem schrecklich lauten, von glücklichen Menschen wimmelnden Großraumbüro ohne einen Funken Privatsphäre einen seiner schlimmsten Arbeitstage des letzten Jahres durchstehen.
Auf dem Weg nach Hause konnte er einfach nicht mehr, er stieg zwei Haltestellen zu früh aus und beschloss noch einen Umweg zu nehmen, zu der Stelle, an der er sie zuletzt gesehen hatte. An dieser Stelle hat er sie angeschrienen, das er nicht ohne sie leben könne und wieso sie das getan hätte, aber sie hatte ihm nicht geantwortet und war einfach gegangen. Jetzt wo er wieder an dieser Stelle stand, überkamen ihn all jene Gefühle die er das ganze letzte Jahr verdrängt hatte.
Er wusste innerhalb von wenigen Sekunden, dass er so nicht weiter machen konnte, er konnte einfach nicht ohne sie Leben. Wenn sie das nicht einsah und zu ihm zurück kam, dann musste er halt etwas unternehmen. Er zog seine Dienstwaffe, hielt sich den kalten, nackten Stahl in seinen Mund und drückte ab.
Auf den Tag genau ein Jahr danach, fiel Derek auf das mit frischen Rosen geschmückte Grab seiner Frau.
Jennifer | Krimi | Oktober 2008 | show
Die dichtgewachsenen Bäume verschwammen zu einem Meer aus Farben und Formen während sich Jennifer, um ihr Leben laufend, durchs kalifornische Unterholz schlug. Sie lief nun seit etwas mehr als 15 Minuten und jedesmal, wenn sie dachte, dass sie ihre Verfolger abgeschüttelt hätte, wurde sie durch eine nur Zentimeter von ihrem Kopf entfernt einschlagende Patrone in die lebensbedrohliche Realität zurückgeholt. Vor gut einer Stunde, als sie das letzte Mal im Auto auf ihrer Karte nach dem Weg gesehen hatte, war sie auf dem Weg zum Ferienhaus ihrer Tante gewesen, welches in der Nähe des King Canyon National Park lag. Jennifer besaß zwar seit kurzem ein Navigationsgerät, welches aber leider die erst vor wenigen Wochen eröffneten Straßen rund um die Region Oakhurst noch nicht kannte und sie somit dazu gezwungen hatte, sich eine Karte zu kaufen. Diese Karte probierte sie nun fieberhaft in ihrem Gedächtnis zu rekonstruieren.
Verzweifelt versuchte sie heraus zu finden, in welche Richtung sie laufen musste, um zumindest eine kleine Siedlung oder auch nur eine Häuseransammlung zu finden. Während sie sich weiter immer tiefer in den Wald schlug, riefen die Verfolger zum wiederholten Male ihren vollen Namen und forderten sie auf sofort stehen zu bleiben. Die kurzzeitige Überraschung ,dass die anderen Ihren vollen Namen wussten, brachte sie ins Stolpern was sofort mit mehreren dicht aufeinander folgenden Schüssen von Seiten der Verfolger quittiert wurde. Ohne weiter an Ihren Namen zu denken rannte sie immer noch so schnell es ging durch den Wald, als sich dieser urplötzlich vor ihr öffnete und den Blick auf einen kleinen Fluss freigab. Sie hielt für maximal eine Sekunde inne und verlies sich dann einfach auf ihr Bauchgefühl und rannte weiter geradeaus direkt auf das Flussbett zu. Die erste Berührung mit dem Wasser war kälter als sie erwartet hatte, aber in Ihrer Todesangst lief sie einfach weiter in den Fluss hinein, während zwei Kugeln nur dicht neben ihr einschlugen und kleine Kreise auf der Oberfläche hinterließen.
Als sie schon bis zum Bauch im Wasser war, wurden ihr auf einmal abrupt von einer Unterwasserströmung von den Füßen gerissen und verschwand prustend im Wasser. Gegen die Strömung anschwimmend versuchte sie sich wieder an die Oberfläche zu kämpfen, doch diese besaß eine viel gewaltigere Stärke als Jennifer erwartet hatte. Als sie endlich wieder nach Luft schnappen konnte, sah sie, dass sie mehrere hundert Meter flussabwärts getrieben worden war und somit einen etwas größeren Abstand zu ihren Verfolgern aufgebaut hatte. Diese ließen allerdings nicht locker und liefen am Ufer auf sie zu. Jennifer kämpfte sich durchs Wasser und erreichte nach einer für sie unendlichen Minute das andere Flussufer.
Ohne sich noch einmal umzudrehen lief sie auf das dichte, Sicherheit bietende Unterholz direkt vor ihr zu. Allerdings kam sie nur schleppend voran, da ihre Kleidung von dem ganzen Wasser, kalt und unbequem geworden, schwer auf ihr lastete und Jennifer somit dazu zwang sich zumindest teilweise auszuziehen. Im Nachhinein betrachtet, würde Jennifer vermutlich sagen, das dies der Augenblick war der sie in die Fänge ihrer Verfolger trieb. Allerdings wäre dies mit Kleidung an über kurz oder lang auch passiert, da ihre Verfolger bereits Verstärkung angefordert hatten und somit drei weitere Personen, aus der anderen Richtung kommend nach ihr suchten. Und so kam es, dass sich genau in dem Moment als sie loslaufen wollte eine Pistole in ihr Blickfeld schob und ihr damit unmissverständlich zu verstehen gab, dass die kleine Reise nun vorbei ist. Den Rest nahm Jennifer nur noch im Trance wahr, wie der zweite Verfolger ihr seine Marke hinhielt und sagte: „Jennifer Bishop sie sind festgenommen. Ihnen werden die Flucht aus einem Bundesgefängnis sowie der Mord an mindestens drei Menschen zur Last gelegt. Alles was sie nun sagen kann und wird vor Gericht gegen sie verwendet werden.“ In diesem Augenblick erschien die Verstärkung und führte Jennifer in Handschellen gelegt zu einem nahe gelegenen Feldweg auf dem das Polizeiauto mit noch eingeschaltetem Blaulicht bereits wartete. Mit dem zuschlagen der Tür neben ihr fiel Jennifer Bishop in einen unruhigen Schlaf.
Steffen | Action | September 2008 | show
Die Interstate 10 nach Phoenix war hier, kurz hinter Blyth, ausgesprochen ruhig, schon fast zu ruhig. Eigentlich fuhren hier immer einige Trucks lang, die die Wüste von Los Angeles aus auf dem Weg zur Ostküste durchqueren mussten. Zwar ging es auch dann nie wirklich laut zu, aber lauter als jetzt war es auch normalerweise allemal. Momentan schien es allerdings so, als sei Dr. Steffen Taubermann in seinem Ford Mustang der einzige Autofahrer weit und breit. Alles das hätte ihm, der die Strecke regelmäßig fuhr, zu denken geben müssen. Doch anstatt auch nur einen müden Gedanken an seine Umwelt zu verschwenden, trommelte der vor fünf Jahren aus Deutschland ausgewanderte Anwalt, höchst zufrieden mit sich selbst im Takt eines bestimmten Songs der NDW auf sein Armaturenbrett ein. So mit sich selbst und der Musik beschäftigt, bemerkte er auch den Wagen der Highway Patrol erst, als dieser das Blaulicht nur wenige Meter hinter ihm anmachte und ihn per Dachanzeiger zum Anhalten aufforderte.
Sofort trat Dr. Steffen Taubermann auf die Bremse. „Verdammte Scheiße, ich muss vorhin mindestens 140 km/h drauf gehabt haben“, fluchte er im Geiste und malte sich schon den Ärger mit der Polizei aus, während er einen geeigneten Ort zum Halten suchte. Als er jedoch langsamer wurde, gab der Wagen der Highway Patrol auf einmal Gas und rammte ihn mit voller Wucht ins Heck. Durch dieses Manöver total unter Schock stehend, versuchte Steffen dem Wagen sofort durch wilde Lenkmanöver auszuweichen, als dieser zum zweiten Mal zum Rammen ansetzte. Jedoch konnte er den Wagen nicht weit genug auf die andere Spur lenken, sodass der andere Wagen ihn noch hinten links erwischte. Durch die Wucht des Aufpralles nahm er reaktionsartig die Hände vom Lenkrad, um sein Gesicht zu schützen. Während er noch daran dachte, was für eine unwirkliche Scheiße das alles war, begann der Mustang ins Schleudern zu geraten, um sich schließlich mehrmals, durch das Abkommen von der Fahrbahn verursacht, mit voller Wucht zu überschlagen.
Steffen Taubermann, der während der Fahrt nicht angeschnallt war und das Fenster offen hatte, wurde aus dem Wagen geschleudert und landete unsanft irgendwo im Seitengraben. Der Wagen der Highway Patrol bremste sofort ab und fuhr mit quietschenden Reifen zum Unfallort. Nur mit Mühe konnte sich Steffen, der sich mindestens 10 Knochen gebrochen hatte, auf seinen Rücken drehen, um zu sehen, was da auf ihn zukam. Als er so langsam einen Menschen erkennen konnte, sah er, wie dieser eine Waffe zog und während Steffen noch anfing, das Wort „FU…“ in seinem Kopf entstehen zu lassen, wurde dieser von einer Kugel durchbohrt. Dr. Steffen Taubermann war auf der Stelle tot.
Sonne | Januar 2010 | show
Schweigend sitz ich auf der Bank,
wie viele Stunden hab ich hier verbracht,
wo gestern noch die Sonne schien,
liegt heute nur ein Berg von Schnee.
Viel zu spät hab ich erkannt,
das der Weg den ich beschritt,
ohne Strahlen von der Sonne,
nur ein weit’rer Wunschtraum ist.
So sitz ich hier im Flockenwind,
minuten- oder stundenlang,
Gedanken kreisen um die gleiche Frage,
war sie jemals wirklich mein.
Ich stehe auf und schüttel mich,
wie ein Schneesturm in der Nacht,
die Spuren die ich hinterlasse,
sie werden bald schon nicht mehr sein.
Die Tür | Dezember 2009 | show
Die Tür die immer offen stand,
sie führte in dein Leben.
Doch von einem auf den anderen Tag,
ist mir der Eintritt dort verwehrt.
Ich klopfe und ich schlage,
mit beiden Fäusten an dir Tür.
Ich schreie und ich flehe,
doch drin bleibt es stumm und leer.
Die andere Seite dieser Tür,
sie ist nicht mehr belebt.
Ich kann es nicht begreifen,
dass du nun von uns gehst.
Und bleibt sie auch verschlossen,
mein ganzes Leben lang.
Am Ende meiner Tage,
werde ich sie öffnen könn.
Von Episoden und Botschaften | Dezember 2008 | show
Eine kleine Botschaft ,
missverständlich ausgedrückt,
in den Wort schlecht gewählt,
vernichtet in Sekundenschnelle,
Dinge die wie Ewig schienen.
man kann sie biegen kann sie beugen,
man kann versuchen kann probieren,
doch das drehen an der Uhr,
wird am Ende dieser Episode,
einem jedem doch verwehrt.
so wird dann später jeder fragen,
wieso hat er warum tut er,
doch auch all die Spielereien,
der Gelehrten und jener die es sein wollen,
sind im Ende doch nur Phrasen,
die die Dinge nicht begreifen.
wenn ein jeder dann gesprochen,
und die Sicht der Dinge klar
vor den Kontrahenten liegt,
kommt die Phase des Begreifens,
die dann meist die schwerste ist.
durch den Austausch der Gedanken,
pro und contra ab gewägt,
erkennt man meist nach ein paar Tagen,
worum es einem wirklich geht.
An die Großeltern! | Dezember 2006 | show
Schon ist wieder’s Christkind da,
die Menschen hetzen hier und da,
sie fragen sich, wie wird das enden?
Weihnachten ohne Schnee in unseren Händen!
Die Menschen in der Weihnachtszeit,
sie hetzen hin sie hetzen her,
und keiner erkennt in diesem Meer,
die eigentliche Heiterkeit,
des Monats den wir alle lieben
Die meisten Menschen denken nur,
ich muss das schaffen bis um sieben.
So fahren sie nach Schule, Arbeit oder anderen Sachen,
in die Stadt, doch lassen sie es dort nicht krachen,
nein, sie laufen eilig hin und her,
laufen kreuz und laufen quer,
denken still in ihr’n gehetzen Köpfen
d’ran, alle Möglichkeiten auszuschöpfen,
die sie hoffen zuerreichen,
um des anderen Herzen zu
erweichen!
Doch keiner in dieser rieß’gen Menge,
denkt in seinem künsten Traum daran,
die Ruhe und die Heiterkeit,
der wunderschönen Weihnachtszeit,
zu genießen oder zelebrieren.
Deshalb fing ich an zu philosophieren:
Was wäre wenn wir einmal nichts verschenken,
wirtschaflich der reine Wahn,
Sinn ergibt das dennoch allemal,
denn ohne Stress und ohne Hast,
wär der Monat wieder eine Rast,
und hätte somit seine alte Heiterkeit
die Ruhe und Besinnlichkeit
die Freude und das schöne Leben
wieder an den Menschen zu vergeben.
In diesem Sinne, wünsch ich euch
angenehme Weihnachtstage
wenig Stress und sehr viel Freude
und dies alles mit den Worten
ich hab euch doller lieb
als man es könnt beschreiben
in unseren Worten!
Euer Enkel Micha!
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