Captain Capa – The Fever

Freitage sind schon verdammt dufte Tage. Nicht nur beenden sie die Woche – sie kündigen auch die wunderbare Erfindung Wochenende an. So war es auch letzten Freitag.

Voller Vorfreude auf meine erste Weinschorle in der späten Nachmittagssonne, stand ich gegen 12 Uhr Mittags bei uns in der Agentur im Hof und wollte nichts lieber als Feierabend. Gedankenverloren schaute ich auf die Spitzen der Pfälzer Berge und dachte nichts – da in dem Moment *bing* mein Handy vibrierte. Gut. Guckste halt mal drauf. Evtl ne Arbeits-E-Mail. Pustekuchen. Audiolith Newsletter. In schönen großen Buchstaben stand da:

CAPTAIN CAPA – THE FEVER // NEUES ALBUM: THIS IS FOREVER (28.04)

Neue Single. Captain. Single. Capa. Single. Capa. SINGLE.

Meine Augen so: weiterlesen. Mein Kopf so: gnihihihihihi. Meine Ohren so: Anhören.

Sehr sehr schönes Ding. Insgesamt etwas ruhiger. Geht aber gut rein. Dancebar. Chillbar. Denkbar. Genaueres zum Song und was wir dazu denken wenn wir es schaffen das Album zu hören.

Achja. Die drei duften Dudes gehen selbstverständlich auch auf Tour:

Präsentiert wird das Ganze von askhelmut.com // Tickets gibt es hier und die Dates sind Folgende:

05.05.17 Leipzig – Werk2 (Support: Chai Khat)
12.05.17 Berlin – Musik & Frieden (Support: Chai Khat)
13.05.17 Hamburg – Molotow (Support: Chai Khat)
19.05.17 Düsseldorf – FFT
20.05.17 Nürnberg – Stereo
26.05.17 Chemnitz – Atomino

In dem Sinne. Danced euch mit dem Song über das Vergangene in die Zukunft. Lebt und genießt die Zeit.

THIS IS THE FEVER!

[Review] Ducking Punches – Fizzy Brain

Titel : Fizzy Brain
Künstler : Ducking Punches
Label : No Panic! Records
Genre : Folk/Punk
Bewertung : ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ☆ | 09/10

Ducking Punches sind eine fünfköpfige Folk-Punk-Band aus Norwich im Osten des UK. In Deutschland sind sie bisher eher ein Geheimtipp, den es sich in jedem Fall lohnt auszuchecken. Mir sind sie erstmals über den Weg gelaufen, als Frontman Dan im Frühjahr 2014 den Opener für Frank Turner gab. Für mich musikalisch love at first sight. Das war kurz vor Erscheinen ihres zweiten Albums “Dance before you sleep”. Nun also der Nachfolger “Fizzy Brain” der in nichts nachsteht. Zieht es euch rein!

Das Album

Das Album wurde über Pledge Music finanziert, eine Crowd Funding Plattform, auf der man die Alben der Künstler vorbestellen kann, bevor sie entstanden sind, um die Finanzierung sicherzustellen. Doch nicht nur die Platte kann vorbestellt werden. Im Fall von Ducking Punches gab es einen Haufen exklusiven Merchs zu sichern, unter anderem Instrumente, die bei den Aufnahmen genutzt wurden. Doch nicht nur das. Mit dem überschüssigen gesammelten Geld unterstützt die Band die sozialen Organisationen CALM und PAPYRUS, die Präventionsarbeit für Selbstmorde bei jungen Menschen und Untersützung für psychisch Kranke leisten. Dies liegt der Band besonders am Herzen, da Sänger Dan selbst betroffen ist und schon zwei Freunde an Depression und Selbstmord verloren hat. In der vor kurzem beendeten Kampagne konnten sie über 500 Pfund zusammentragen. Jetzt aber zur Musik!

Die Songs

Fizzy Brain hat 11 Songs mit einer enormen Spannbreite zu bieten. Von der herzzerreißenden Ballade bis zum punkigen Rocksong. Das Themenspektrukum bewegt sich im Bereich Trauer, Verzweiflung, Depression und Tod, aber stets mit einem Funken Hoffnung und Blick nach vorn. Der erste Track “Greedy Bones” beginnt langsam, nur mit Akustikgitarre und steigert sich zum Full-Band-Track. Besondere Schmankerl sind die Gast-Vocals vom wunderbaren Frank Turner und ein Part von Bassistin Sophie, welche uns später auf dem Album im Track “Taking back the living room” erneut davon überzeugt, wie wunderbar ihre Fähigkeiten zu Hauptvocals sind. Es folgt der Titeltrack, der davon handelt sich irgendwie über Wasser zu halten. Hier zeigt Dan erneut die volle Bandbreite seiner Stimme vom klaren Beginn bis zum rauen Höhepunkt, der wie alle Songs des Albums von Emotion nur so strotzt. Dies zeigt sich auch im anschließenden “Drinking outside funerals”. Der Titel spricht für sich und stellt für mich den besten Song des Albums dar.

“…as I get older and older, death becomes less of a fear,

it’s become too familiar…”

Der Eineinhalbminüter “It’s not over yet friends” stellt eine Durchhalteparole dar, bevor “Fun Fun Fun” leicht positivere Töne anstimmt, ohne den bittersüßen Unterton des Albums vermissen zu lassen. Es folgt “JFH”, ein schwer zu verdauender Song über den Selbstmord eines guten Freundes, der auf Akustikgitarre beruht und von einem Chor der zusammenrückenden Freunde abgeschlossen wird.

“You left the party too early this time, my friend,

please come home, please come home…”

Nach dem punkigeren “God Damn Coward”, das von Ängsten, Soziophobie und dem Hintersichlassen der Vergangenheit handelt, folgen vor und nach dem bereits angesprochenen “Taking back the living room” die ruhigeren Tracks “Heathers” und “House Guest”. Als sehr guter letzter Song bringt “Hurts like Hell” den charakteristischen Sound der Band sehr gut zur Geltung.

Der Sound

Trotz oder gerade wegen der vielfältigen Grenresprengungen fällt kein Song aus dem Gesamtgefüge. Das Album ist insgesamt eine runde Sache. Der Einsatz seines Instruments durch Violinist Sergio verleiht den Songs ein besonderes Etwas. Das teils zurückhaltende, teils nach vorne gehende Spiel des Drummers Pete verleiht sehr gute Variation. Der Wechsel zwischen sehr akustischen Songs und Full-Band-Tracks in denen Gitarrist Cal und Bassistin Sophie vollen Einsatz zeigen macht das Album sehr abwechslungsreich und stimmig.

Fazit

Vom ersten hören an spürt man Emotion und Leidenschaft in jedem Song. Das Album hält viele Überraschungen bereit. Hervorzuheben sind hier der Gesang von Bassistin Sophie im Track “Taking back the living room” und insgesamt die Variation von Dans Stimme. Besonders die härteren, raueren Parts sind im Kontext einzigartig. Musikalisch wie textlich ein exzellenter Einblick in ein “Fizzy Brain”

[Interview] Torsun: Raven wegen Deutschland – Hörbuch

Egotronic-Mastermind Torsun hat ein Buch geschrieben. Raven wegen Deutschland heißt das gute Stück und handelt von der Produktion des wegweisenden Albums Lustprinzip und dem was davon abgelenkt hat. Am 23. Oktober erscheint auf unser aller Lieblings-Label Audiolith, vier Jahre nach Release, die Hörbuchfassung. Aus diesem Grund haben wir Torsun mal ein bisschen ausgefragt.

 

Hey Torsun, schön dass du dir etwas Zeit für uns nimmst! Zuallererst, wie geht’s dir? Wie liefen die ersten Konzerte der Tour?

Die ersten beiden Shows der Tour waren super. So darf es den Rest der Reise gerne weitergehen.

Nun also ein Hörbuch!? Wie kam es dazu, vier Jahre nach Release der Printausgabe dieses Medium auf den Markt zu schmeißen?

Bock darauf hatte ich eigentlich von Anfang an, alleine es fehlte an Zeit. Im Sommer 2014 fand ich die endlich und nochmal über ein Jahr später ist es jetzt endlich soweit.

Gibt es irgendwelche Unterschiede zwischen Hörbuch- und Printfassung oder warst du auch nach vier Jahren immer noch zufrieden mit deinem Werk?

Auf dem Hörbuch ist nur mein Teil des Buchs zu hören. Der „Sachbuchteil“ der gedruckten Fassung wurde ausgespart. So funktioniert es mehr wie eine Geschichte, die man schön hören kann.

Vor einem Mikro im Studio kennst du dich ja nach all den Jahren ganz gut aus, aber wie war es diesmal vorzulesen, anstatt Musik für eine Platte zu machen?

Ich war überrascht, wie sehr man sich doch dabei konzentrieren muss. Das ganze hat dadurch länger gedauert, als ich vorher gedacht hätte.

Du hast ja sicherlich schon viel erlebt mit der Band und allem Drum und Dran. Warum hast du dich gerade für diesen kurzen Zeitraum entschieden, als es darum ging ein Buch zu schreiben? Wie kamen die ganzen Exzesse eigentlich zu Papier? Hast du direkt ein paar Sachen aufgeschrieben, so tagebuchmäßig oder warst du von dieser Phase einfach so geflasht, dass du alles noch auf dem Schirm hattest?

Diese Phase ergab einfach eine runde Geschichte mit happy End. Außerdem stand am Ende des Zeitraums ein massiver Bruch in meinem Leben. Ich hatte plötzlich einen Job. Hahaha

Jetzt mal Butter bei die Fische; Hast du mal hier mal da etwas im Sinne der literarischen Freiheit übertrieben oder wart ihr wirklich so krass drauf?

Das ist alles wahr, aber mal im ernst: In dieser Stadt leben 1000de die ähnliche Erfahrungen gemacht haben dürften. Von daher find ich das gar nicht so krass jetzt.

Die Handlung des (Hör-)buchs spielt 2007. Zu dieser Zeit hast du dich ziemlich auf Minimal Techno abgefeiert. Der Sound von Egotronic hat sich über die Jahre stark gewandelt. Dein Feier-Musikgeschmack ebenfalls?

Ja. Mittlerweile gehe ich lieber auf ein schönes Konzert, als ständig von Techno-Club zu Techno-Club zu tingeln.

Im Hörbuch gibst du zu, dass du während dieser Lebensphase ausnahmsweise nicht so viel mit Politik am Hut hattest. Das hat sich schnell wieder geändert. Wer, wenn nicht du kann uns daher helfen bei der Frage: Was machen wir mit den ganzen „Besorgten“, Rassisten und anderen Spinnern, die sich an jeder Ecke versammeln und ihren Mist verzapfen?

Man wird diesen Spinnern über kurz oder lang nur mit massiver Repression, sprich Gewalt, beikommen können. Die Leute müssen Angst vor den Konsequenzen haben, die ihr Handeln mit sich bringt. Wenn man sich die Geschichte anguckt, waren Nazis nie anders als mit Gewalt zu stoppen, sei es nun Nazideutschland oder der NSU.

Kannst du ein bisschen von deiner neuen Kampagne „Plus 1 – Refugees Welcome“ erzählen?

Das ist nicht meine Kampagne, sondern wir sind eine ganze Menge Leute, die das Ding ins Leben gerufen haben. Das Konzept funktioniert so, dass wir viele Clubs in Berlin dafür gewinnen konnten, dass ab jetzt jeder Besucher der auf der Gästeliste steht, mindestens ein Euro abdrücken muss. Wir sammeln das Geld dann ein und verteilen es an Projekte, die Flüchtlinge unterstützen, als da wären derzeit: Moabit Hilft, Flüchtlingsrat Berlin und Sea Watch.

Zum Abschluss noch eine Frage, die sicher viele Fans interessiert. Was passiert in der angekündigten Konzertpause? Lesereise? Neue Platte? Andere Projekte? Und, kann man in Zukunft wieder mit einer so krassen Soundwandlung wie beim letzten Album rechnen?

Ich schreibe an einem Roman und mache derzeit soviel Musik wie schon lange nicht mehr. Es wird also irgendwann ein neues Album geben. Wann das kommt, kann ich aber noch nicht sagen. Es steht lediglich fest, dass 2016 kein großes Egotronic-Jahr wird, zumal es seit 2003 nur ein einziges Jahr gab, in dem ich keine Tour spielte. Es wird deshalb mal wieder Zeit.

Vielen Dank für das Interview! Kannst du uns als letztes noch sagen, was bei dir privat derzeit auf den Plattentellern läuft? Mach’s gut und auf bald!

Zwar nicht auf dem Plattenteller aber die meiner Meinung nach besten Songs der letzten Woche waren „Gute Menschen“ von OK Kid und „Fick-Dich-Allee“ von Grossstadtgeflüster.