[via N-TV]
Wir probieren uns im Internet von unserer besten, umgänglichsten Seite zu zeigen. Erzählen nur das was andere toll finden und stellen uns geheimnisvoll dar. Wir schreiben, posten, tweeten oder sharen nichts was auch nur annähernd als Kritik jeder Art oder Intelligenz durchgehen könnte. Wir posten lieber stumpfen Humor, unkreative Einzeiler und belanglose Statusupdates ala “Ich habe gedönert”. Zumindest meint das die Neon in der aktuellen Ausgabe unter dem Titel “Über-Ich!”
Wo die diese Weisheiten ausgegraben haben ist mir selbst jetzt, 24 Stunden nachdem lesen des Artikels, immer noch mehr als schleierhaft. Entweder hat sich der Redakteur ein Beispiel am Interview mit Beyonce genommen, die Freunde des Neonredakteurs sind größtenteils eher Semintelligent oder Deutschland geht echt zu Grunde. Auch die aufgeführten Aussagen von “Muskelkater, war aber nur im Bett” über “Wochenende!” bis hin zu “uhhhhhaaaaaa uhhhaa uha uhaa” sind mir in der Art noch nie untergekommen. Dabei gehe ich jetzt von Facebook und Twitter aus, nicht von StudiVZ.
StudiVZ ist in der Hinsicht, besonders seit der Einführung des Buschfunks, die Brutstätte minderbemittelter Textkreationen geworden, die die Beschreibung Statusupdate nicht einmal ansatzweise verdienen. Mehr als 90% meiner “Freunde” beim Facebook-Klon empfinden den Buschfunk als zweiten Plauderkasten. Da schreibt man dann grenzdebile Beiträge wie “Ja. Find ich auch Jasse!”, “Nein. Fett nicht du Hure, komm mal klar!” oder einfach ein “LoL.” Allerdings ist StudiVZ mittlerweile, zumindest meiner Meinung nach, kein Maßstab mehr. Facebook hat sein erstes Deutschlandbüro eröffnet und immer mehr Menschen kehren dem Unikindergarten den Rücken zu.
Allerdings geht es in dem Beitrag der Neon nicht um StudiVZ sondern um Facebook und dort habe ich mir spontan einmal die Beiträge der letzen 10 Stunden angesehen. Abgesehen von dem ganzen Minispiele Schnodder finden sich dort zumeist Youtube Videoempfehlungen, Nachrichtenartikel oder Blogbeiträge. Selten findet sich ein wirkliches Statusupdate wie “Abi lernen. Ohne Lerngruppe geht das nicht!” oder “Sitze am Schloss, genieße das Wetter.” Klar haben auch diese Aussagen nicht wirklich einen sehr großen Mehrwert. Allerdings weiß ich nun, dass ich Person A nicht anrufen brauche, ist zwecklos, aber Person B am Schloss besuchen kann, sofern ich denn in der Stadt bin.
Eigentlich schreibt jeder der bei Facebook bzw. Twitter Statusupdates postet, zumindest in meinem Freundeskreis, mehr oder weniger wichtige Infos die ihn aber nicht nur 1-Dimensional darstellen, sondern in einer reichhaltigen Facettenstruktur. Man erkennt, was die Person mag und was nicht. Man weiß wo sie feiern war und über was sie lacht. Man weiß aber auch was sie nicht mag, was sie zum Nachdenken anregt und welchen Film sie zuletzt gesehen hat. Das einzig schlimme daran ist das wir zu viel über die Person wissen könnten, nicht das dieses Wissen zu einseitig wird.