Gefällt mir!
Was für ein beschissener Tag! Erst versagt mir früh morgens die Karre auf halber Strecke, dann spuckt mir mein Chef eine Abmahnung wegen wiederholtem Zuspätkommen ins Gesicht und wäre das nicht schon genug gewesen bricht mir beim Öffnen meiner Haustür noch der Schlüssel ab. Wieder einmal hat mich der „Offline-Modus“ so richtig derbe „geOwned“! Ist doch alles scheiße, aber muss ja nicht jeder wissen. Eigentlich bist du doch der Checker vom Dienst. Solche Sachen wie heute Morgen würden Dir doch selbst im Traum nicht passieren! Auf Geht’s auf den Spielplatz der Selbstdarsteller für Ruhm und Aufmerksamkeit – Facebook.
Natürlich ist die Startseite des Browsers genau die Richtige – Man will ja keine Zeit verlieren, sondern jede Statusmeldung gründlich durchforsten, um wieder genügend Lästerstoff für die nächsten Parties zu haben – Denn Lästern macht Spaß! Besonders wenn man sonst nichts zu tun hat und nach Aufmerksamkeit strebt, weil das eigene Leben so trostlos ist. Oh mein Gott !!! Nur noch 106523 Freunde in meiner Freundesliste – Einer weniger! Wie kann das sein?! Ist mein Profil zu langweilig?! Wirke ich einschläfernd mit dem was ich schreibe?! Ist es jemand, den ich gut kenne oder einer von den 106467 Freunden, denen ich bisher nur einmal mittags in der Stadt zugewunken habe?!
„Leute können manchmal so scheiße und hinterfotzig sein!“
Zack! Und gleich nach 30 Sekunden drei „Likes“ und zwei zustimmende Kommentare. Herrlich! Ich bin wieder Mittelpunkt der Gesellschaft. Weiter geht’s. Aha – Peter war gerade Kacken und es roch ziemlich ungesund – „Gefällt mir“…
Leute, Leute, Leute. Wiedererkannt? Hoffentlich nicht! Ich will mich hier nicht aus der Affäre ziehen, denn ich nutze ja auch Zuckerberg’s farbenfrohe Spielwiese und stehe dazu. Aber was man manchmal so liest geht echt gar nicht mehr. Ich habe viel über das Thema nachgedacht, habe mich in diversen Spuren ab und zu selber wiedererkannt. Ist es nicht schlimm wie uns das soziale Netzwerk beherscht? Früher hat man sich gegenseitig angerufen, danach getroffen, gequatscht, Bilderalben zusammen angeschaut etc. Heute sind dafür wenige Knopfdrücke nötig und man muss dafür noch nicht einmal seinen festgesessenen Arsch heben. Wer nicht in einem sozialen Netzwerk ist, der ist automatisch weniger informiert und weniger gefragt. Beziehungskrisen werden öffentlich vor 500 Zuschauern geklärt und der neue Praktikant schildert vor den Augen seines Chefs, wie er letzte Nacht im Vollsuff die süße Blondine nach allen Künsten der Verführung vernascht hat. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass uns Wörter wie Facebook, Google+ und StudiVZ zu gläsernen Online-Usern machen. Neue Identitäten mit schauspielerischer Kunst werden geschaffen, die den trägen Alltag im realen Leben zu einer glamourösen Onlinescheinwelt verwandeln. Geht’s Dir vor dem Bildschirm scheiße, ist für Dich hinter der Flimmerkiste der schönste Tag der Woche. Die Suche nach Aufmerksamkeit verfällt desöfteren in eigene Untreue. Ich bin gespannt wie sich der Trend in den nächsten zehn Jahren weiter fortsetzt, ob dann die Öffentlichkeit die Farbe der eigenen Socken oder die Marke der benutzten Zahnpasta kennt. Jedoch muss man sich dabei immer selber die Frage stellen: Werde ich das weiterhin zulassen?! Irgendwann ist auch mal Schluss!







