Den Haag, zwei Heineken und ein Platz des Lebens

16:45. Der erste Tag neigt sich zu Ende und ich sitze immer noch im Zug. Der dritte an diesem Tag. Gott sei Dank aber schon in Holland. Den Haag ist mittlerweile in greifbare Nähe gerückt. Deutschland haben wir bereits vor gut einer Stunde verlassen. Der Bahnhof in Amersfoort, wo wir in den Regionalzug nach Den Haag umstiegen hatte keinen besonderen Niederländischen Charme. Gibt es sowas überhaupt? Allerdings waren wir auch nur zwei Minuten da. Der Regionalzug von Amersfoort nach Den Haag allerdings hat ein “Silence” Abteil. Da darf man nicht reden. Holländer. Komisches Völkchen.

Der zweite Zug an diesem Tag, der IC von Osnabrück nach Amersfoort war total überhitzt und die zweite Klasse scheinbar noch aus Vorkriegszeiten. Knapp zwei Stunden dauerte die Fahrt. unterbrochen von nicht funktionierenden Klimaanlagen und rauchenden Schaffnern. Als ich, gepeinigt durch Sonne, Schlafentzug und wenig Essen, diese Hölle der modernen Technik endlich verlassen durfte, war ich der glücklichste Mensch in den ganzen Niederlanden.

Ankunft. Den Haag. Sonne. Im Gegensatz zu Braunschweig haben wir hier immerhin noch so etwas wie Sonnenstrahlen. Der Schock kam dann an der frischen Luft. Kälte. Nicht eisig, aber kalt genug. Schon hat man sich wieder wie in Deutschland geführt. Verspätete Straßenbahnen die irgendwann in den 60ern modern waren und einfach viel zu klein sind für 35 Personen nebst Koffer. In der Jugendherberge angekommen ist das Gesamturteil gut aber nicht so gut wie in Wien letztes Jahr.

Eine Stunde später, gerade mal geduscht und frisch angezogen, geht es los in Richtung Strand. Gemeinsames Abendessen mit der Gruppe. Das Esen im “Molligen Hahn” ist lecker aber viel zu teuer. Außerdem kann die Bedienung kein Englisch und schreibt sich Bestellungen nicht auf. Ist ja so kein Ding, aber vergessene Getränke, falsche Hauptgerichte und seltsame Nachspeisen zeugen von einer suboptimalen Bestellstrategie.

Der Rest des Abends verläuft ruhig. Zu ruhig auf der drei Stündigen Odyssee durch Den Haag suchen wir verzweifelt ein Lokal das noch geöffnet hat und trinken weit mehr als zwei Dosen Heineken während der Zeit. Aber dann, mit unseren Kräften schon am Ende und längst vom Mut verlassen, gingen wir um die letzte Ecke die wir als würdig auserkoren hatten. Was uns dort Erwartete hätten wir im Leben nicht gedacht.

Fünf oder zehn Kneipen um einen großen Platz angelegt. Sitzgelegenheiten in der Mitte und ein pulsierendes “Partyleben!” Gott war uns gnädig. Wir tranken noch genüsslich ein Bier und gingen dann, am Rotlichtviertel vorbei zurück ins Bett.

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