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Archive for June 2010

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Es tut mir leid

Langsam und behutsam um ja kein Geräusch zu verursachen tastete er sich auf der alten Kellertreppe voran. In den Händen balancierte er ca. 15 Geschenke. Die ganze letzte Woche war er unter Ausreden wie z.B. länger arbeiten zu müssen, etwas mit den Jungs zu unternehmen oder einfach beim Sport zu sein, in die Stadt gefahren und hatte all die Dinge gekauft von denen er (noch) wusste das sie sich darüber freuen würde. Natürlich war im klar, dass das letzten Endes viel zu übertrieben war, immerhin waren es nur ihr Jahrestag. Aber die letzten Monate hatten ihren Spuren am Fundament der Beziehung hinterlassen.

Immer wieder hatten sie sich in die Haare bekommen. Hatten sich angeschrien, Tage lang nicht miteinander geredet, in getrennten Zimmern geschlafen und Sachen durch die Gegend geworfen. Allerdings hatten sie sich auch immer wieder zusammengerafft und die letzten Wochen waren wie der Beginn einer neuen Beziehung gewesen. Sie hatten wieder zusammen rumgealbert, waren im Kino, im Zoo, Eis essen und haben auf ausgedehnten Spaziergängen viel über ihre gemeinsame Zukunft gesprochen.

Das Licht im Haus war bereits ausgewesen als er die Kellertür aufgeschlossen hatte. Da sie heute nicht mehr mit ihm gerecht haben konnte, er war ihrer Meinung nach auf Geschäftsreise am anderen Ende des Landes, lag sie wohl schon im Bett. Gerade deshalb war er so spät gekommen, damit er in aller Ruhe die Geschenke im Wohnzimmer aufbauen konnte. Liebevoll machte er sich an die Arbeit. Die größeren nach hinten, die kleinen nach vorne. Er baute die Geschenke wie ein Amphitheater auf, in dessen Mitte ein riesen großes Plüschherz lag, bedeckte alles mit Rosenblättern und beschloss spontan die Überraschung vor zu ziehen.

Eigentlich hatte er vorgehabt auf dem Sofa zu schlafen und sie am nächsten Morgen komplett zu Überraschen, aber da er die Vorfreude über ihre Freude nicht mehr aushalten konnte, holte er noch schnell einige Kerzen aus dem Schrank und stellte sie ebenfalls in das Amphitheater. Danach ging er in Richtung Schlafzimmer. Ohne Licht an zu machen, ging er auf Zehenspitzen, um sie nicht zu wecken, durch den ihm seit nun mehr drei Jahren wohl vertrauten, stockdunkelen Raum zu Ihrem Nachttisch.

Als er das Licht anmachte, hatte sie ihm wie so oft in ihrer Beziehung die Worte vorweg genommen. Auf ihrem Kissen lag nicht ihr Kopf sondern nur eine Brief mit den Worten: Es tut mir leid!

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Das ist vielleicht die beste Zeit in unserem Leben…

Die Sonne verbrennt mir meinen Nacken … Ich will aber O-Saft … Jetzt muss ich da auch noch Hausaufgaben machen … Sind wir endlich da … Verdammte scheiße, ich hasse dieses Drecksleben!

Jeder von uns gibt mehrere dieser Aussagen täglich von sich. Wir haben generell etwas zu meckern. Wir bemängeln das Wetter, sei es zum warm oder zu kalt. Wir mokieren uns über die Kleidung anderer, trauen uns aber selbst nicht in ausgefallenen Klamotten rumzulaufen. Wir sind ständig gereizt und innerhalb von einer Sekunde auf der Palme. Sind wir einmal nicht ganz so genervt sind wir von der Arbeit gestresst und meckern über diese, über das, die Kollegen oder den Chef. Egal, Hauptsache Frust!

Selbst wenn alles gerade irgendwie super läuft wird gemeckert und sei es nur über das Fernsehprogramm. Wieso können wir die Zeit die wir haben nicht genießen? Wieso ist es den Menschen, es gibt natürlich Ausnahmen, nicht vergönnt einfach nur glücklich zu sein? Wie erreichen wir dieses Glück? Muss man es suchen? Muss es einen finden? Kann man es überhaupt erreichen? Besser, ist dieses perfekte, religiös gesprochen himmlische, Leben wirklich erreichbar?

Gerade diese Fragen hindern uns vermutlich daran wirklich Glücklich zu sein. Gedanken über das Glück zerstören es. Wenn man über Glück nachdenkt stellt man es bereits indirekt in Frage. Immer wenn man über sein Glück nachdenkt rekapituliert man Situationen, versetzt sich an entscheidende Punkte in seinem Leben zurück und fragt sich ob das alles so richtig war, was man da getan hat. Aber das hilft einem nicht auf dem Weg in Paradies. Man muss die Zeit einfach genießen. Ohne wenn. Ohne aber. Frei nach Madsen:

“Das ist vielleicht die beste Zeit in unserem Leben! Und so will ich sie erleben!”

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Geburtstagsgutschein Jay 2009

Im letzten Jahr haben wir einem Freund zum Geburtstag eine Reise nach Deutschland oder in die Nachbarländer geschenkt. Wieviel wir ihm von der Reise bezahlen ist an den Kreisen um die Stecknadel erkennbar. Dies war der Gutschein, welcher das Ganze in materieller Form überbringen sollte.

Arbeitszeit: 5 Stunden
Programme: Photoshop

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June 11, 2010 Posted by Mike in Reisen

Den Haag, zwei Heineken und ein Platz des Lebens

16:45. Der erste Tag neigt sich zu Ende und ich sitze immer noch im Zug. Der dritte an diesem Tag. Gott sei Dank aber schon in Holland. Den Haag ist mittlerweile in greifbare Nähe gerückt. Deutschland haben wir bereits vor gut einer Stunde verlassen. Der Bahnhof in Amersfoort, wo wir in den Regionalzug nach Den Haag umstiegen hatte keinen besonderen Niederländischen Charme. Gibt es sowas überhaupt? Allerdings waren wir auch nur zwei Minuten da. Der Regionalzug von Amersfoort nach Den Haag allerdings hat ein “Silence” Abteil. Da darf man nicht reden. Holländer. Komisches Völkchen.

Der zweite Zug an diesem Tag, der IC von Osnabrück nach Amersfoort war total überhitzt und die zweite Klasse scheinbar noch aus Vorkriegszeiten. Knapp zwei Stunden dauerte die Fahrt. unterbrochen von nicht funktionierenden Klimaanlagen und rauchenden Schaffnern. Als ich, gepeinigt durch Sonne, Schlafentzug und wenig Essen, diese Hölle der modernen Technik endlich verlassen durfte, war ich der glücklichste Mensch in den ganzen Niederlanden.

Ankunft. Den Haag. Sonne. Im Gegensatz zu Braunschweig haben wir hier immerhin noch so etwas wie Sonnenstrahlen. Der Schock kam dann an der frischen Luft. Kälte. Nicht eisig, aber kalt genug. Schon hat man sich wieder wie in Deutschland geführt. Verspätete Straßenbahnen die irgendwann in den 60ern modern waren und einfach viel zu klein sind für 35 Personen nebst Koffer. In der Jugendherberge angekommen ist das Gesamturteil gut aber nicht so gut wie in Wien letztes Jahr.

Eine Stunde später, gerade mal geduscht und frisch angezogen, geht es los in Richtung Strand. Gemeinsames Abendessen mit der Gruppe. Das Esen im “Molligen Hahn” ist lecker aber viel zu teuer. Außerdem kann die Bedienung kein Englisch und schreibt sich Bestellungen nicht auf. Ist ja so kein Ding, aber vergessene Getränke, falsche Hauptgerichte und seltsame Nachspeisen zeugen von einer suboptimalen Bestellstrategie.

Der Rest des Abends verläuft ruhig. Zu ruhig auf der drei Stündigen Odyssee durch Den Haag suchen wir verzweifelt ein Lokal das noch geöffnet hat und trinken weit mehr als zwei Dosen Heineken während der Zeit. Aber dann, mit unseren Kräften schon am Ende und längst vom Mut verlassen, gingen wir um die letzte Ecke die wir als würdig auserkoren hatten. Was uns dort Erwartete hätten wir im Leben nicht gedacht.

Fünf oder zehn Kneipen um einen großen Platz angelegt. Sitzgelegenheiten in der Mitte und ein pulsierendes “Partyleben!” Gott war uns gnädig. Wir tranken noch genüsslich ein Bier und gingen dann, am Rotlichtviertel vorbei zurück ins Bett.



Skyline Shanghai
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June 10, 2010 Posted by Mike in Asides

[Bild] Maybe then they’ll call it genocide

Höher. Weiter. Schneller. Besser. Hier in Deutschland ist man vielerorts davon beeindruckt, wenn man mal die ein oder andere Straße saniert bekommt, oder aber in 20 Jahren fünf moderne Hochhäuser gebaut werden. Das empfinden wir als rasant, als schnelllebig. Man fragt sich dann wo die Zeit geblieben ist. Empfindet Erstaunen und Angst und fragt sich ob die Globalisierung wirklich die Lösung unserer Probleme ist.

Allerdings ist das ein Witz gegen Shanghai. Die Leute da müssen auch denken: in was für einer abgefahrenen StarTrek Welt lebe ich jetzt eigentlich. Mein Bolzplatz ist jetzt ein 100 Stockwerke Bankenturm und dort wo ich meinen ersten Kuss hinter einem Baum hatte, steht jetzt eines der größten Finanzzentren der Welt. In den letzten 20 Jahren hat sich Shanghai von einer normalen, wenn es sowas überhaupt jemals gab, Metropole zu einer futuristischen, vibrierenden, leuchtenden Megametropole entwickelt.

Grünflächen sind verschwunden, ganze Parks wurden auf Befehl der Chinesischen Regierung platt gemacht und durch schwindel erregende Hochhäuser ersetzt. Umwelt - was ist das? Globale Erwärmung? Schreckgespenst der westlichen Welt! Hauptsache modern und erfolgreich. Wir müssen repräsentieren. Shanghai ist mittlerweile der größte Hafen der Welt und wächst immer noch. Wer möchte da noch wohnen?

500x_shangai-before-and-after

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Steh auf wenn du am Boden bist

Es ist dunkel. Schemenhaft nehme ich die Umrisse meiner Umgebung wahr. Irgendwo in der Ferne spielen die Farben verrückt, werden erst Gelb und dann Rot. Ich blinzele. Die Sicht bleibt schlecht. Ich bemühe mich durch den Schleier der sich vor meine Augen legte, klare Umrisse erkennen zu können. Zum Glück sind vor mir keine Hindernisse, gesehen hätte ich sie nicht. Egal, es geht immer weiter. Trotz der Musik habe ich das Gefühl jeden einzelnen Tropfen auf meiner Hose zu hören.

Ein weiteres Blinzeln lichtet den Schleier etwas. Die Farbe verändert sich und wird zu einem leuchtenden Grün. War sie schon immer so? Bevor ich sie richtig realisiere, habe ich sie hinter mir gelassen. Die Musik übertönt jedes andere Geräusch. Die Nadel irgendwo bei 70 verschwimmt wieder vor meinen Augen. Ich beachte sie nicht weiter. Es tropft immer noch. Ich muss hier raus. Stadtgrenze. Liedende. Ich höre den Motor. Erst jetzt realisiere ich das ich immer noch im dritten Gang fahre.

Tankstelle. Rechts ran. Zigaretten kaufen. Die Person an der Kasse, schaut mich vermutlich seltsam an. Ich sehe sie nicht richtig. Egal. Sonnenbrille ist trotz Regen Pflicht. Zigarette anmachen, weiterfahren. Weg nur weg. Der Schleier wird wieder stärker. Ich greife in meine Tasche. Irgendwo sind die Taschentücher. Alle schon benutzt. Egal. Der Schleier lichtet sich. Ich erkenne die Autos vor mir gerade noch rechtzeitig. Meine Gedanken schreien jetzt nicht mehr dauerhaft “WEG HIER!”

30 Kilometer habe ich hinter mir gelassen. Ein Feldweg. Wieder rechts ran. Hinsetzten. Nachdenken. Rauchen. Verzweifeln. Mit sich selbst, mit der Welt, ringen. Die Frage nach dem Sinn der Existenz macht sich breit. Ich schüttele sie ab. Ich zwinge mich dazu normal zu denken. Mein Puls beruhigt sich. Zigarette aus machen. Weiter fahren. Fenster auf. Musik laut. Fahrtwind. Ich komme zur Ruhe.

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